He waka eke noa. ("Wir sind alle im selben Boot.")
Spruch der Māori
Vor zwanzig Jahren durfte ich zum ersten Mal ein großes Symposium moderieren („Die Zukunft von Macht und Menschlichkeit”), mit über hundert Teilnehmenden und renommierten Vortragenden, darunter Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation. Ich war noch ziemlich am Anfang und sog alles auf wie ein Schwamm.
Das Wichtigste, was ich von diesen Tagen mitnahm, war kein großer Vortrag – sondern eine kleine sprachliche Wendung, die ich von meiner Co-Moderatorin lernen durfte. Nicole Lieger, damals Geschäftsführerin eines Menschenrechts-Instituts, sagte nicht „die FPÖ-Wähler”, „die Investment-Banker”, „die Militärs”, sondern: „diejenigen von uns, die FPÖ wählen”.
Diejenigen von uns. Eine einfache Formulierung – und doch so ein großer Unterschied. Sie zieht den Kreis unseres Menschseins weiter, bis er auch die umfasst, die wir eben noch draußen gelassen haben (siehe Gedicht unten).
Im Englischen gibt es einen Begriff dafür: Othering – aus Menschen „die Anderen” zu machen, die nicht dazugehören. Es beginnt harmlos, mit einem Wort, einer Schublade. Und es endet damit, dass wir gegenüber ganzen Gruppen das Mitfühlen einstellen, denn wer erst einmal „die da” ist, dessen Sorgen müssen wir nicht mehr hören. Genau so wächst die Spaltung, die wir überall beklagen: durch die vielen kleinen Linien, die wir Tag für Tag ziehen.
Wie schnell das geschieht, haben wir in der Pandemie-Zeit erlebt. Aus „anderer Meinung” wurde da rasch „Schwurbler” oder „manipuliert” – und selbst in progressiven Milieus wurde es heikel, sich mit den „Falschen” zu zeigen. Das Muster ist geblieben. Wer bei aufgeladenen Themen anders denkt, ist schnell nicht nur anderer Meinung, sondern auf der falschen Seite.
Diesen Sog kenne ich (leider auch) von mir selbst. Sich ein wenig klüger, ein wenig reflektierter zu fühlen als das Gegenüber, das hat etwas Verlockendes. Das Urteil ist schnell da, und es braucht eine innere Bewegung, um den Menschen dahinter zu sehen, wirklich in Kontakt zu kommen. Gerade dann, wenn ich seine Wahl für gefährlich halte.
Diese innere Arbeit ist das eine. Unsere Haltung ist letztlich die Grundlage für menschliche Verbundenheit.
Damit Verbundenheit auch dort praktisch gelingt, wo Menschen zusammenwirken, braucht es zusätzlich Handwerkszeug: Wege, gemeinsam zu entscheiden, Konflikte zu klären, eine gemeinsame Ausrichtung zu finden.
Welche das sein können, zeigt unser Members-Team in einem neuen Blogartikel zum Gemeinschaftskompass von Eva Stützel – eine Orientierungshilfe mit Anregungen für gelingende Projekte.
Und was Gesellschaft von gelingender Gemeinschaft lernen kann, erkunden wir am 8. Juni um 19 Uhr im Webinar Beziehungen sind politisch. Mit dabei ist Wolfgang Sechser, den ich, wie es der Zufall will, damals beim Symposium in St. Pölten kennengelernt habe.
Angesichts der großen Gräben in unserer Gesellschaft können wir uns auf das besinnen, was uns möglich ist: Wir alle ziehen jeden Tag Kreise – mit jedem Wort, jeder Schublade, jedem „von uns”. Es liegt an uns, sie weit zu ziehen.
Von Herzen, Martin – für das Team von Pioneers of Change
PS: Letzte Chance um bei unserem Intensivtraining ROOTS dabei zu sein – wir starten am 9. Juni!
Blogartikel: Der Gemeinschaftskompass als roter Faden für gemeinsames Wirken
Warum scheitern so viele gemeinschaftliche Projekte trotz Vision und Begeisterung? Im neuen Blogartikel zeigen Stephanie Ristig-Bresser und Daniel Simon anhand des „Gemeinschaftskompass” fünf Elemente, die Gemeinschaften wirklich tragen – mit konkreten Werkzeugen & Handouts für Entscheidung, Konfliktklärung und gemeinsame Ausrichtung.
Beziehungen sind politisch
Was kann die Gesellschaft von Gemeinschaften lernen? Wolfgang Sechser und Susanne Socher leben diese Frage täglich — beide im Ökodorf Tempelhof. Am 8. Juni um 19 Uhr sprechen sie mit Martin Kirchner darüber, was das für uns alle bedeutet.
Sommer.Campus: Letzte Chance auf den Early Bird Preis
Early Bird-Preise bis 1. Juni! Beim Sommer.Campus (11.–16. August) erwartet dich eine intensive Woche voller Lernen, Begegnung und Gemeinschaft – gemeinsam mit so vielen Menschen aus dem Pioneers.Team wie noch nie. Freu dich auf bekannte Gesichter, neue Verbindungen und inspirierende gemeinsame Erfahrungen.
Wenn dein Leben nach Neuausrichtung ruft
Vier Tage in der Natur, um dir selbst zu begegnen – mit Fragen zu deinem Weg, deinen Übergängen, deiner nächsten Richtung. Unser Walk your Way Seminar funktioniert mit „Vorwärtsschenken“: Dein Platz beim ist bereits bezahlt (Ernsthaftigkeits-Beitrag 92€ exkl. Unterkunft).
Pioneers.Members – die Community für Kulturwandel
Bei Pioneers.Members kommst du regelmäßig in Online-Räumen mit anderen zusammen – zum Austausch, zur Stärkung und um Wandel im Alltag zu leben. Dein Beitrag trägt zugleich unsere gemeinnützige Arbeit mit. Schau dir das Jahresprogramm 2026 an oder schnuppere ins Members-Gespräch mit Eva Stützel zum Gemeinschaftskompass.
Wandel.Wandern – freie Plätze
Gemeinsam mit Helene Weber-Köpf und Peter Hofmann begibst du dich auf eine entschleunigende Reise durch das österreichische Voralpengebiet. Inmitten der Natur entsteht Raum für Regeneration, Klarheit und neue Perspektiven auf Wandel – Schritt für Schritt, achtsam und gemeinsam.
Von 29. Juni bis 3. Juli
Create Convention, 2.-5. Juli nahe Hamburg
Zwischen Zukunftsfragen und Lagerfeuer-Momenten bringt die CREATE Convention Menschen zusammen, die neue Formen des Zusammenlebens und Zusammenarbeitens erproben. Im Fokus stehen regenerative Ideen zum Erleben – auch für Kinder & Familien.
Büchertipps für den Wandel
Christoph Thun-Hohenstein: Zukunftsmutig Neun Qualitäten für eine regenerative Gesellschaft
Maja Göpel: Werte. Ein Kompass für die Zukunft Was uns verbindet, was uns weiterbringt
Tim Jackson: Ökonomie der Fürsorge Manifest für Fürsorge statt Wachstumslogik
Eva Stützel: Gemeinsam die Welt verändern Ein Praxishandbuch
Nicole Lieger (vom Editorial): Schatten aus Sternenlicht Tiefenökologie & Restorative Justice als Fiktion
Stephanie Ristig-Bresser (Autorin vom Blogartikel): Make. World. Wonder. Bunt, bildhaft, ein Aufruf zum Mitgestalten
Good News!
- Der Thunfisch ist zurück in der Ostsee » Artikel
- Aktion: Was Deutschland verbindet » Artikel
- Weltgemeinschaft beschließt historische Klimaresolution » Artikel
- Präzedenzfall: Grundschleppnetze in Meeresschutzgebieten verboten » Artikel
- Kolumbien startet Allianz zum fossilen Ausstieg » Artikel (englisch)
Studien zeigen: Negative Nachrichten bleiben uns 10 mal stärker im Gedächtnis als positive. Unsere Good News tragen zu Balance bei.
Aktuelle Gelegenheiten
» ROOTS Intensivtraining Österreich, Bayern, Südtirol (Start: 9. Juni)
» Beziehungen sind politisch Kostenfreies Webinar (9. Juni)
» 8 Minuten, Männer! Die heilende Kraft des Zuhörens Kostenfreie Online-Tagung (9. Juni)
» Gefühle in Bewegung – Online-Workshop (24. Juni)
» Walk Your Way Wochenendseminar in Niederösterreich (25.-28. Juni)
» Wandel.Wandern im Nationalpark Kalkalpen (29. Juni – 3. Juli)
» Moderationsfortbildung Sprechen & Zuhören in Innsbruck, Tirol (4. Juli)
» Sommer.Campus auf Schloss Tempelhof, Baden-Württemberg (11.-16. August)
» Women Re.Member (Start: 24. September)
» Hosting für Kulturwandel Online-Weiterbildung zu Art of Hosting (Start: 9. Oktober)
» RISE! Selbstermächtigungs-Training in Bayern (2.-9. November)
He drew a circle that shut me out – Heretic, rebel, a thing to flout. But love and I had the wit to win: We drew a circle that took him in.
Edwin Markham, „Outwitted"
Er zog einen Kreis, der grenzte mich aus –
als Rebell, Ketzer, mieser Banaus’.
Aber die Liebe und ich waren klug und weis’
nahmen ihn hinein in unseren Kreis.
(übersetzt von Christoph Peterseil, danke!)
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