In Teil 1 meines Blogs zu „Führen für das Leben” habe ich die tieferen Wurzeln unserer aktuellen Situation analysiert und eine Alternative zu „schneller, höher, weiter” vorgestellt – ein zyklisches Führungsmodell.
Im 2. Teil dieses Blogs erfährst du, was wichtig ist, damit wir statt „Macht über” in der Führung eine „Macht mit”-Kultur entwickeln.
Wie anders?
Wie könnte Führung anders gehen? Wie können wir führen, ohne das alte „Macht über”-Muster einfach fortzusetzen? Welche Bilder von Führung können uns helfen, die großen Herausforderungen zu meistern?
Die kurze Antwort: mit Führung, die Verbundenheit stärkt. Verbunden mit dir selbst, mit deinem Körper und deinen Gefühlen. Verbunden mit anderen Menschen, mit Gemeinschaft. Verbunden mit dem größeren Ganzen, mit der Natur.
1. Verbunden mit dir selbst
Die wichtigste Ressource: dein Körper, deine Gefühle
Egal was im Außen geschieht – eine Ressource steht dir immer zur Verfügung: du selbst – dein Geist, dein Körper, deine Gefühle. Kennst du z. B. die Wut und die Empörung, die in dir hochsteigt, wenn Natur zerstört wird? Ich kenne sie sehr gut – und sie ist ein Motor meines Handelns. Denn wenn wir Wut spüren, dann ist das ein Signal: etwas Wertvolles ist in Gefahr! Der andere Motor ist meine Freude an der unglaublichen Schönheit von allem Lebendigen. Beides zu spüren, gibt mir die Kraft zum Tun. Dabei geht es nicht um blinde Ausagieren von Emotionen, sondern darum, sie bewusst als Information und Ressource zu nutzen. Doch auch für mich war es ein langer Weg, mit Gefühlen so umzugehen. In meinem Philosophiestudium fühlte ich meist mehr wie ein Kopf auf zwei Beinen …
Während der Zugang zum Geist dauerpräsent zu sein scheint, ist der Weg zum eigenen Körper und zu den Gefühlen länger, als man denkt. Die patriarchalen Religionen und Philosophien haben über Jahrhunderte alles Körperliche und das Weibliche abgewertet, die Erde als bloße Materie abgetan. In „Materie” steckt übrigens das lateinische Wort „mater”, die Mutter. Sich an die Verbindung mit dem eigenen Körper und mit der Erde als Mutter zu erinnern, ist deshalb echte Arbeit. Deshalb „Re-member”. Sich wieder erinnern und wieder zusammensetzen – Geist, Körper und Gefühle.
Denn wenn wir Körper und Gefühle abschneiden, machen wir uns dümmer. Dein Körper reagiert immer als Erstes. Innerhalb von 200 Millisekunden, lange bevor der bewusste Verstand mitkommt. Das Zürcher Ressourcen Modell (Maja Storch) nennt das eine somatische Reaktion, gespeist aus allem, was du je als angenehm oder unangenehm erlebt hast.
Was der Körper hier als Signal sendet, ist das Ergebnis eines gigantischen, unbewusst ablaufenden Verarbeitungsprozesses – ein Gefühl von Stimmigkeit oder Unstimmigkeit. Es kann also sein, dass eine Lösungsidee total vernünftig erscheint, aber sich unstimmig anfühlt. Dann enthält dieser Unterschied eine wichtige Information für dich. Der Motivationspsychologe Julius Kuhl spricht in diesem Zusammenhang vom „Extensionsgedächtnis”: Wir verarbeiten ständig ein Vielfaches dessen, was uns bewusst ist, nur eben nicht in Worten. Manche nennen das Intuition. Sie kann sich täuschen, klar. Deshalb braucht sie den Abgleich mit dem klaren Kopf. Aber sie wegzusperren, kostet uns Klugheit.
Probier es aus, bevor du das nächste Mal entscheidest: Stell dir eine konkrete Option vor und beobachte: Wird dabei dein Atem flacher, enger? Oder tiefer, weiter? Spannt sich dein Körper eher an bei dem Gedanken, so zu entscheiden? Oder wird er leichter, entspannter? Das ist Information. Nicht die einzige, der Verstand gehört dazu. Aber eine, die wir uns viel zu oft wegrationalisieren.
Die Welt (mit-)fühlen
In einer Welt, die so viel Leiden produziert, ist die Versuchung groß, einen kühlen Kopf bewahren zu wollen und bloß nicht emotional zu werden. Doch damit verlieren wir eine wichtige Fähigkeit: die Fähigkeit, mit der Welt wirklich in Resonanz zu sein. Und damit verlieren wir auch einen wichtigen Kompass für das, was jetzt wirklich wesentlich ist.
Die andere Falle ist das Ausbrennen, weil uns Gefühle überschwemmen. Wenn wir uns total mit dem Schmerz der Welt identifizieren und nicht unterscheiden können zwischen dem eigenen Schmerz und jenem von anderen, dann geraten wir in empathischen Stress. Das führt zu emotionaler Erschöpfung bis hin zum Burnout.
Wie navigieren wir also zwischen Distanzierung und Überschwemmung? Was dazwischen trägt, mag etwas überraschend sein: Dankbarkeit. Wenn wir Dankbarkeit kultivieren, aktivieren wir das sogenannte Care-System im Gehirn. Und wenn unser Care-System aktiv ist, bleiben wir in Resonanz mit dem, was die Welt gerade braucht, ohne uns abzuschotten und ohne uns zu verausgaben. Wir können Mitgefühl empfinden, ohne in empathischen Stress zu geraten. Das hat die soziale Neurowissenschaftlerin Tania Singer herausgefunden.
Was heißt das für Führung?
- Gönn dir und deinem Team regelmäßig einen Blick auf das, was gut ist – wofür ihr (einander) dankbar seid.
- Und für dich selbst: Nimm dir morgens Zeit, dich mit dem kommenden Tag zu verbinden. Was ist heute wirklich bedeutsam? Was ist dem Leben heute dienlich?
- Schließ deinen Tag in Dankbarkeit ab. Wofür bist du am heutigen Tag dankbar? Das saubere Leitungswasser, die warme Dusche, genügend zu essen? Schreib es auf oder teile es mit einem lieben Menschen. Auch mein Tag endet mit einem kleinen Dankbarkeitsritual: Mein Mann und ich erzählen einander kurz vor dem Einschlafen, wofür wir (einander) dankbar sind. Kaum zu glauben, aber wahr: Das verbessert auch die Schlafqualität.
Aus der Stille führen
Ich erinnere mich an einen Morgen 2017 auf einer Lernreise zu agilen Organisationen in Berlin. Wir warteten auf unseren ersten Gesprächspartner. Als wir uns begrüßten, sagte er: „Hab euch schon gesehen, aber ich hatte noch meine Me-Time.” Jeden Morgen gönnt er sich Zeit für sich, um gut in den Tag zu starten.
Anna Gamma, selbst Unternehmerin, Zen-Meisterin und in der internationalen Friedensarbeit aktiv, schildert ihre Morgenpraxis im Pioneers Summit-Gespräch: „Die größte Inspiration ist für mich der grenzenlose Raum der Stille. So beginne ich jeden Tag. Seit 45 Jahren.”
Genau darum geht es. Willst du mit einem aufgewühlten Geist in die Welt hineinwirken? Oder mit einem klaren Kopf und einem offenen Herzen?
Was heißt das für Führung?
- Bei mir sind es morgens eine Stunde Yoga und Meditation, 17 Minuten Mittagsruhe, nach acht Uhr abends möglichst wenig Bildschirm. Möglichst zur gleichen Zeit ins Bett und wieder aufstehen. Der Körper hat einen Bio-Rhythmus – dein eigener und der deiner Kolleg:innen und Mitarbeiter:innen. Ihn zu respektieren ist Teil lebensdienlicher Führung.
- Das ist nicht nur eine individuelle Praxis. Auch in Teams und Organisationen lässt sich das verankern. Ein Moment der Stille zu Beginn einer Sitzung, wie es die Quäker:innen halten. Vor einer schwierigen Entscheidung noch einmal den gemeinsamen Sinn hervorholen. Und wenn es richtig hitzig wird: eine Glocke, die geläutet wird, wenn es einen Moment Ruhe braucht.
- Pausen sind überhaupt ein Schlüssel für lebensdienliches Führen. So wie wir beim Ein- und Ausatmen kurz innehalten, wo einfach „nichts" ist, braucht auch unser Leben und Arbeiten Phasen von „nichts": einige Minuten Pause, bevor das nächste Online-Meeting startet. Ein Ort zum Hinlegen nach dem Mittagessen – und sei es nur die Yogamatte unterm Schreibtisch. Als Führungskraft bist du ein Vorbild und setzt damit ein Signal an dein Team: Das ist erlaubt.
2. Verbunden mit anderen Menschen
A leader in every chair – jede:r kann führen
Die Herausforderungen in Organisationen und in Gesellschaften sind inzwischen so komplex geworden, dass niemand mehr allein die Lösung finden kann. Doch mit hierarchischer Führung tun wir so, als würde die Person weiter „oben” in der Pyramide besser entscheiden können und deshalb Macht über andere ausüben dürfen. Viele meinen, dass Führung und Dominanz einfach zusammengehören.
Doch Heide Göttner-Abendroth hat in ihren Forschungen über matriarchale Gesellschaften gezeigt, dass das nicht stimmt. Wir können Gesellschaften egalitär organisieren. Das ist keine Utopie, sondern bis heute gelebte Praxis: „Macht mit” statt „Macht über”.
Dazu braucht es interessanterweise die Überwindung von Furcht, wie Bruder David Steindl-Rast, der weltbekannte Benediktiner-Mönch und interreligiöse Brückenbauer im Summit-Interview meint: „Wenn wir uns nicht fürchten, dann können wir die Zukunft tatkräftig gemeinsam angehen und können die Machtpyramide, wo immer wir sie finden, umwandeln in ein Netzwerk von Netzwerken. Und das ist die neue Welt, die ich mir ersehne.”
In den letzten Jahrzehnten sind einige Organisationsmodelle entstanden, die die Trennung von Oben und Unten reduzieren – z. B. Soziokratie, Holakratie oder auch andere partizipative Modelle. In agilen Organisationen würden wir sogar so weit gehen und sagen: Die Führung übernimmt situativ, wer gerade das meiste Wissen und die meiste Erfahrung im konkreten Fall hat. Dahinter steht ein Menschenbild, das jedem Menschen Verantwortung zutraut: „a leader in every chair.”
Was heißt das für Führung?
- Die Aufgabe von Führung in diesem „Macht mit"-Modell ist das Verweben und Zusammenführen der verschiedenen Perspektiven, ausgerichtet auf den größeren Sinn. Damit verändert sich die Rolle von Führung: sie gibt weniger vor, was zu tun ist. Geht weniger voran, sondern führt aus der Mitte und hütet die gemeinsamen Ziele. Ziele, die sich wiederum daran ausrichten, was lebensdienlich ist.
- Meine Erfahrung ist: Je klarer die gemeinsame Ausrichtung auf den gemeinsamen Sinn, die gemeinsame Aufgabe ist, desto mehr fokussiert sich die Energie einer Gruppe – und verschwendet sie nicht im Gegeneinander.
3. Verbunden mit der Natur und dem größeren Ganzen
Ich liege im Gras und lausche der emsigen Ameise vor mir. Es ist, als würde sie sagen: „Du glaubst wirklich, dass du allein die Welt reparierst? Wir sind hier die ganze Zeit dran aufzuräumen … Lasst uns doch mal ran!”
Ich lehne an einer alten Eiche. Ich kann Gewicht und Schwere abgeben. Und es steig in mir die Sätze auf: „Ich wachse jeden Tag, ich spende Schatten, beheimate Tiere. Irgendwann falle ich um. Dann werde ich Humus. Und das Leben geht weiter. Wozu beeilen? Ich sterbe sowieso.” Im Kopf total paradox: ich werde sterben, daher beeile ich mich nicht. Die Gesellschaft lehrt uns doch, alles noch schnell zu erleben, weil das Leben so kurz ist. Aber in mir breitet sich plötzlich warme Leichtigkeit aus. Keine Eile …
Es sind diese Begegnungen in der Natur, die mich mit dem Größeren verbinden. Die mich auf ganz eigene Weise innerlich ausrichten. Und die mir letztlich die Gewissheit geben: ich muss es nicht allein schaffen. Ich bin Teil von diesem Gewirk des Lebens. Ich bin darin getragen.
Gleichzeitig fühle ich mich oft wie eine Analphabetin, wenn ich versuche, der Natur zu lauschen und ihre Botschaften zu verstehen. Wir haben diese Sprache über viele Jahrhunderte verlernt. Doch etwas in mir ist davon überzeugt, dass wir genau diese Sprache wieder brauchen, damit wir als Menschen gemeinsam mit der Natur überleben wollen. Wo können wir fündig werden, wenn wir diese Sprache wieder lernen wollen?
Der amerikanische Psychotherapeut und Soul-Activist Francis Weller erzählte mir im Summit-Interview von einem Praxis der Inuit – nördlich des Polarkreises. Sie nennen es kartsaluni – wörtlich übersetzt: „still und erwartungsvoll zusammen in der Dunkelheit sitzen und darauf warten, dass etwas Kreatives entsteht”. Die Walfänger saßen still in der Dunkelheit und lauschten. Denn sie konnten erst auf Waljagd gehen, wenn sie einen Walgesang empfangen hatten. Nicht, wenn sie Hunger hatten, nicht weil der Weltmarktpreis grade gut stand. Nein – wenn sie einen Walgesang empfangen hatten … Was für eine völlig andere Entscheidungsbasis.
Was heißt das für Führung?
- Zuallererst: zuhören lernen. „Zuhören ist die am meisten unterschätzte Führungsqualität“, so bringt es der Systemwandel-Forscher Otto Scharmer auf den Punkt. In einem zyklischen Führungsverständnis bedeutet das: nicht nur dir selbst und den Menschen zuhören, sondern auch der lebendigen Erde. Den Wesen, für die du mitverantwortlich bist.
- Verantwortung für Auswirkungen übernehmen. Im bisherigen Wirtschafts- und Führungssystem sind wir so getrennt von der lebendigen Welt, dass Ökonom:innen das aktuelle Massensterben in der Natur als bloße „Umweltexternalität” bezeichnen – als hätte es nichts mit uns zu tun. Damit wird die Verantwortungslosigkeit in den Führungsetagen von Unternehmen nicht nur geduldet, sondern sogar belohnt. Und die Folgen davon tragen wir alle.
- Wie anders würden wir also in den Führungsetagen entscheiden, wenn diese nicht im obersten Stock eines Wolkenkratzers fallen würden, sondern draußen im Wald? Wenn wir mit unseren eigenen Augen sehen würden, welche Auswirkungen unsere Entscheidungen auf andere Lebewesen haben?
- Wenn wir also „für das Leben führen” wollen, dann bedeutet es, die langfristigen Auswirkungen unseres Führungshandelns auf das ganze Ökosystem in unsere Entscheidungen mit einzubeziehen. Dann geht es nicht um Quartalsergebnisse, sondern um die nächsten sieben Generationen, die nach uns leben wollen. Führen für das Leben stellt die langfristigen Wirkung über kurzfristigen Erfolg. Eine Führung, die so tut, als gäbe es ein Morgen ...
Führen lernen
Wie können wir diese Art von Führung in die eigene Arbeit integrieren. Körper, Gefühle, Gemeinschaft als Ressource für lebensdienliches Führen entdecken?
Dieser Prozess braucht Zeit und Aufmerksamkeit, denn dafür ist es wichtig, alte Muster zu verlernen und neue Haltungen zu entwickeln. Das gelingt am besten mit der Unterstützung von anderen. Deshalb gibt es den Onlinekurs Women Re.Member – ein Onlinetraining speziell für Frauen*.
In diesem Kurs nehmen wir uns ein halbes Jahr Zeit, mit diesen Themen in der Tiefe zu arbeiten.
Wenn du also beim Lesen dieses Blog-Artikels Resonanz verspürt hast, dann fühl dich herzlich willkommen bei Women Re.Member.
Herzlich, Hemma
Women Re.Member
Die Welt braucht weibliche Führung. Women Re.Member unterstützt dich dabei, dich an deine ureigene Kraft zu erinnern und sie wirksam in die Welt zu bringen. Start: 24. September
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- https://pioneersofchange.org/fuehren-fuer-das-leben-teil2/
23 Gedanken zu „Führen für das Leben – Teil 2“
Liebe Hemma,
viele Deiner Anregungen finde ich wertvoll und zutiefst sinnvoll, doch ändert das nichts daran, dass sich in mir jedesmal wenn ich das Wort “Führung” lese alles in mir zusammenzieht.
Die industrialisierten Gesellschaften haben über die ganze Zeit ihrer Existenz hinweg bis heute Führung in einer so zerstörerischen Weise demonstriert (gerade las ich zu meinem Entsetzen dass die zuständige EU-Kommission den Vorschlag macht, den Emissionshandel zu erleichtern und damit noch mehr zur immer deutlicher werdenen Klimakatastrophe beizutragen), dass dieser Begriff “Führung” bis ins Mark mit falschem, zerstörerischen Handeln auf der Basis von Gier, Machstreben und Ignoranz aufgeladen ist.
Aus meiner Sicht gehört dieser Begriff dringendst ersetzt. Wie soll man mit dem, was energetisch so negativ aufgeladen ist einen guten neuen Weg beschreiten?
Du zitierst Bruder David, der das Wort “angehen” verwendet, was für mich ein sehr viel neutraler geladenes Handeln beinhaltet.
Ich mag eine kreative Wortschöpfung anregen. Vielleicht mag jeder mal in sich gehen und schauen, was ihm oder ihr dazu kommt, was sich wirklich stimmig anfühlt für ein frisches, neues, lebensverbundenes Handeln.
Danke, Sabine, ich spüre starke Resonanz zu dem , was du schreibst.
Das Neue braucht auch neue Worte.
Neue Innere Öffnung, Freiheit, Freude im Ausprobieren. Vielleicht doch keine neue Wortschöpfung?
Ich weiß es nicht, aber es bewegt mich.
Danke, Hemma, für deinen ausführlichen Blog.
Angela
Liebe Sabine, liebe Angela, finde ich eine spannende Idee … Und ich stimme euch zu, dass “Führung” missbraucht und damit auch negativ aufgeladen ist. Deshalb will ich mir den Begriff aber nicht wegnehmen lassen. Für mich ist Führung neutral bis positiv. Ich halte mich an eine recht abstrakte Definition: „Führung ist die Bestimmung der Richtung von Bewegung sowie die erfolgreiche Einflussnahme in kritischen Momenten ohne Richtung.” (Hofert, Agiler führen, 2017) Führung meint da nicht eine bestimmte Person, sondern eine Leistung. Führung findet in meiner Welt immer statt. Führung kann von einzelnen, aber genauso von Gruppen geleistet werden. Und sie kann je nach Thema und Situation wechseln. Und wenn ich Führen so definiere, dann brauchen wir dringend noch viel mehr Führung – nämlich für das Leben! Es ist die Bestimmung der Richtung > für das Leben. und dass wir jetzt erfolgreich Einfluss nehmen in kritischen Momenten ohne Richtung. Da befinden wir uns gerade …
Danke, Hemma, für Deine Antwort. Wenn Du das Wort liebst, dann ist das so.
Für mich ist gerade mit dem, was Du in Deiner Definition zitierst, “Bestimmung der Richtung von Bewegung” das Problem immanent.
Ich benutzte gerne den Begriff “Orientierungshilfe”. Der beinhaltet eindeutig unterstützende, wohlwollende Intention unter Berücksichtigung der freien Entscheidung jeder einzelnen Person. ✨
Das ist für mich kein Widerspruch ;-). Danke für deine Inspiration!
Liebe Hemma und liebe andere Menschen, die hier noch lesen!
Vielen Dank für Deine Gedanken zum Wort „Führung“. Es gibt hier natürlich keine Regel, die für jedes Wort gleich gilt, dass sich im Laufe der Zeit und der Verwendung wandelt. Ich möchte ergänzen, dass eine Vermeidung bestimmter Wörter, wenn sie teilweise negativ konnotiert werden, auch dabei unterstützt, Missstände unsichtbar zu machen. Wenn das Wort im ursprünglichen Sinn neutral ist – wie Führung – so finde ich es eine gute Gelegenheit alle Aspekte zu betrachten. Wenn wir das Bewusstsein dafür haben, dass Führung zu Machtmissbrauch verleiten kann, ist die Wahrscheinlichkeit (hoffentlich) höher, ihm nicht zu verfallen.
Wir alle wissen, wie Du, liebe Hemma, das Wort gebrauchst und meinst. Dass jemand anderer Führung für Machtmissbrauch nützt, ist nicht in Ordnung, aber hier auch nicht das Thema. Ich bin außerdem davon überzeugt, dass es nicht weniger Machtmissbrauch ist, wenn man ein anderes Wort dafür erfindet.
Liebe Grüße an alle,
Lena, Freundin von bewusster Wortwahl.
Liebe Lena,
ich stimme da sehr mit dir überein. Ich habe mich auch lange gescheut, das Wort “Führung” zu gebrauchen und ich habe mich vor “Führung” gescheut. Das Thema “Autoritäten” triggert mich nach wie vor. Das geht ganz tief. Ich habe mich auch lang vor “Empowerment” gescheut, weil es auf Deutsch übersetzt “Ermächtigung” heißt – und mich das sofort an “Ermächtigungsgesetze” denken lassen. Ich meine, dass sehr viele Menschen nach wie vor ein Thema mit “Führung” haben, eben weil Machtmissbrauch uns so, so lange bestimmt. Doch auch ich finde, dass es dafür keine anderen Worte braucht. Sie können auch vernebeln. Wir brauchen eine andere, gesunde Führungspraxis.
Viele Grüße,
Stephanie, Team Women Re.Member
Danke, liebe Sabine, für deine Gedanken dazu. Auch ich hatte lange “Schmerzen”, was das Thema Führung angeht. Ja, Führung wurde und wird lange, lange missbraucht, gewaltvoll verwendet (allen voran: “der Führer”). Meine Überzeugung ist, dass es gesunde Führung braucht im Sinne von neuem, lebensverbundenem Handeln, wie du es umschreibst. Dafür braucht es kein neues Wort, sondern eben dieses neues, ethisch-bewusste Gebrauchen von Führung – klare Intention, Vorangehen, Vorbild sein, …
Stephanie, Team Women Re.Member
Neues oder ursprüngliches Führen
Mich beschäftigt der Bewusstseinswandel der öko-sozialen Transformation. Dieser Wandel betrifft doch uns alle und nicht nur die “Führerinnen*”. Was ist mit den Geführten? Neben der Dankbarkeit sind Güte, Gnade und Barmherzigkeit hilfreich, um aus der Angst vor der neuen Selbstwirksamkeit in Gemeinschaft zu kommen. Welche Führungsprinzipien bewirken zusammen mit dem Gegenüber eine neue Bewusstheit? Wie umgehen mit Überforderungen und Ängsten, Regressionen und Widerständen? Braucht es ein Gruppendenken/~Geist für eine Kultur der Verbundenheit? Wie kann die Gruppe sich auf diesen Geist als Vision einigen und braucht es ein stufenweises Vorgehen als Wachstum innerhalb eines kokreativen Prozesses?
Wären neue Rechtsrahmen in Deutschland für niederschwelliges Unternehmertun hilfreich, wie Wirtschaftsverein (analog Österreich) oder Kleingenossenschaft ohne Prüfkosten (analog EU-Genossenschaft) sowie Verantwortungsunternehmen (analog Stewardship in GB) und unbürokratische Stiftungen (analog Island)?
Mir fehlt das Konzept des Solidarismus.
Liebe:r Erkus,
ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar und die Fragen und neue Aspekte, die du darin zur Sprache bringst. Ja, ich stimme mit dir überein: für den ökosozialen Wandel braucht es nicht nur neue Führung, es braucht auch neue Organisationsformen, neue Haltungen, neue Infrastrukturen, eine neue Kultur. Dieser Blogartikel fokussiert sich auf die Aspekte neuer Führungsformen, die dafür dienlich sein können, um diese neuen Organisationsformen und Infrastrukturen (neue Gesetze etc.) zu etablieren, neue Haltungen zu leben. Hemmas Blogartikel fokussiert ja nicht auf den Kulturwandel, die ökosoziale Transformation an sich, sondern greift den Aspekt der Führung heraus. Beginnt bei dir. Ich sehe darin keinen Widerspruch, dieser Blogartikel ist ein Steinchen aus dem großen Mosaik des Kulturwandels.
Ich finde die weiteren Aspekte, die du nennst, wertvoll und wichtig.
Neue Führung bedeutet auch: Solidarität, Bewusstheit, das Leben Aller mit dem eigenen Leben mit zugestalten und mithin: gelebte Solidarität. Die wir im Kurs mithin in den Kleingruppen praktizieren.
Herzliche Grüße,
Stephanie, Team Women Re.Member
Ich gehe in Einklang,habe das Webinar genossen,so tolle Frauenenergie! Und immer wieder dran bleiben, aufstehen, sich Er-Schöpfung gönnen, miteinander im Draußen und Innen!
Du sprichst mir aus der Seele,Hemma!
DANKESCHÖN!
Herzensgrüße Gude
Danke für die Resonanz. Ja, sich Er-schöpfung gönnen. Das war eine tolle Wort-Schöpfung einer der Teilnehmerinnen während des Webinars. Eines von so vielen Ahas dieses Calls. Schön, dass du dabei warst, liebe Gude!
Stephanie, Team Women Re.Member
Ich möchte einfach von Herzen DANKE sagen für euer Tun und Sein! Ihr schenkt mir immer wieder Hoffnung.
DANKE DIR!
Stephanie, Team Women Re.Member
Führung nervt mich deshalb, weil ich nicht diesem Gefängnis nicht entkommen konnte und kann. Der nötige Mut und Wille fehlt, mein eigenes Ding zu machen.
Kein Mensch braucht Führung. Unterweisung, Anleitung innerhalb eines Kompetenzsystems ja. Die Einwilligung mich innerhalb dieses Kompetenzsystem bewegen zu wollen, habe ich aber frei gegeben.
Kein Kind wird isoliert groß. Es lernt, indem es den Erwachsenen nachahmt. Insofern führen die Eltern dem Kind vor, in welche Richtung sein Leben gehen kann.
Natürlich ist mein leben nicht grenzenlos in den Optionen, jedenfalls nicht in lebensbejahenden.
Die Inuit warten, bis sie den Walgesang hören. Sie kennen ihren Platz im Gesamtkonzept, dass sie akzeptiert haben, dass ihnen dann auch eine Art Führung, für ein gelingendes Leben anbietet.
Lieber Ulrich,
danke für deine Ausführungen. Ich verstehe es so, dass Hemma genau diese Art von Führung, den Platz im Gesamtkonzept einzunehmen und ihn auszufüllen, meint. Keine Führung, die oktroyiert, sondern eine Führung, die dem Leben dient, eine Führung, die keine Abhängigkeiten produziert, sondern Verbundenheit.
Herzliche Grüße,
Stephanie, Team Women Re.Member
Danke, liebe Hemma, für die wunderbaren Impulse. Ja, so kann Zukunft gelingen.
Ich fühle mich inspiriert und in meinem ganzen Menschsein angesprochen, möchte am liebsten gleich “mittun” , meine Erfahrungen einbringen, mich austauschen… Und dann sind da auch gleich die Zweifel: Was kann ich schon (noch) tun…Ich bin 72 Jahre, nicht reich, nicht technikaffin.
Auf jeden Fall freue mich ganz doll, dass es euch gibt, dass ihr Hoffnung und Zuversicht schenkt in diesen Zeiten.
In Verbundenheit
Gudrun
Liebe Gudrun,
vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar und dein Mitschwingen, dein in Resonanz gehen. Du…. ich kenne deine Zweifel sehr, sehr gut. Ich bin 55 Jahre alt und denke auch manchmal…. ich gehöre auch langsam zum alten Eisen… bin vielleicht nicht gut-klug-genug-zu dick-habe es noch nicht gebacken bekommen-werde ausgelacht… wirklich diese Gedanken habe ich oft… und weißt du was….?
Ich bin gestern 55 Jahre alt geworden…. und mir kam der Song von Udo Jürgens in den Sinn: “Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an…”
also habe ich noch elf Jahre Zeit mich vorzubereiten… und JETZT schon zu üben und mitzumischen. Ist das nicht eine gute Perspektive? Ich lade dich herzlich ein, mitzutun – in dem Tempo und mit den wertvollen Erfahrungen und Fähigkeiten, die du einbringen kannst. Ich bin mir sicher, dass dein Beitrag ein ganz, ganz essentieller, wertvoller ist.
Und weißt du, was ich mir noch dazu denke? Unsere Generation hatte das Privileg in Wohlstand und Frieden zu leben – und wir sind in Deutschland, im D-A-CH die größte Gruppe unserer Gesellschaften – es kann einen immensen Unterschied machen, wenn wir wirklich und mit aller Entschiedenheit für das einstehen und das verkörpern, was uns wichtig ist. Also, bist du mit dabei.
Herzliche Grüße,
Stephanie, Team Women Re.Member.
Das ganze Öko-System zu beleuchten klingt gut. Wo bleibt den die Auseinandersetzung der Frauen mit dem digitalen Öko-System alles Lebendigen und dem erfassten Hirnkapital im dieser Ökonomie des Glücks und Wohlergehens als der neue Wirtschaftswachstumsfaktor und kritische Infrastruktur?
Das würde den Frauen richtig gut stehen, um nicht erst in 5, 10 Jahren zu erkennen, den gleichen Fehler wie die Feministinnen vor 100 Jahre gemacht zu haben, der neuen Mega-Maschine die Körper und Geister ausgeliefert zu haben und die besten Dienstleister für die totale Verwertung und Optimierung allen Lebens gewesen zu sein.
Schließlich war die Gaia-Theorie stets Teil der Mission Mars und Teil einer recht deutlichen Technokratie.
Der Zusatz, „dient dem Leben“ mit dem neuerdings alles gerechtfertigt wird wird den Wirtschafter*innen des Herzens und der Ökosysteme noch heftig in ihrer Geschichtsvergessenheit und Pantheismus auf den Kopf fallen.
Sie werden als die besten Industrialisiererinnen der Hirne der Menschen in die Geschichtsbücher eingehen.
Seit 15 Jahren konsequent, die Frage nach der neurokapitalististischen Industrialisierung der Hirne zu vermeiden, zeigt wie wenig die Freundinnen des Wohlfühlens bereit sind, sich mit dem Zeichen der Zeit konfrontieren zu wollen.
Sehr konsequent bleiben die Pionier*innen des Wandels, des Bewusstseinswandels unreflektiert dabei, effektive Agentinnen des kognitiven, inklusiven, regenerativen, ethischen Kapitalismus zu sein, der in seiner Biodigitalität jegliche Verwertungslogik des Lebens des Neoliberalismus in Zeiten des NEUROliberalismus übersteigt.
Wer hätte schon erwartet, dass just Im DACH-Raum eine Generation an Vor-, Querdenker*innen kommt, die nicht davor zurückscheut, nach der Ökonomisierung der Bindung und Gesundheit, ab 2010 alles zu tun, um als Erweiterung diese Liebe, das Glück, die Gefühle, den Frieden und die Solidarität und jegliche Natur zu ökonomisieren und den Kapitalisten in den Schlund zu schmeißen.
Das ist unverzeihlich, wie die Pioniere des Wandels es nicht nur zulassen, sondern mit jeder Menge pädagogischem Kitsch (Reichenbach) die ursprünglich guten Ziele der Beschränkung des Kapitalismus in ihr Gegenteil verkehren und zur Instanz der kapitalistischen Optimierungsmaschine jeglichen Lebens geworden sind.
Der Neoliberalismus war im Vergleich zum nun mehr von Mwnschen entwickelten grünen Neurokapitalismus noch ein Lercherl.
Wer es akzeptiert, dass Edukation selbst zum Impfstoff gemacht worden ist, kommt aus der Grube der Affirmation (Indoktrination, Manipulation, Insinuation) der positiven und integralen Bildung schlicht nicht mehr raus und hat sich dem Neurokapitalismus, regenerativen Kapitalismus, ethischen Kapitalismus mit seiner Verwertungslogik unterworfen.
Liebe Inge,
danke für deine Rückmeldung zu unserem Blogartikel. Da versammelst du ja so einige Kritikpunkte
(“wir” (Frauen – Pionier*innen des Wandels – wer eigentlich genau?)
1. haben die fatalen Folgen von Digitalisierung und Technokratie nicht ausreichend auf dem Schirm,
2. Framen und Verharmlosen unser Vorgehen mit dem Zusatz “lebensdienlich”,
3. beteiligen uns daran, einen “Neurokapitalismus” zu entwickeln, eine neue Eskalationsstufe des Turbokapitalismus,
4. sind dabei zu unreflektiert, vereinfachend, kitschig unterwegs und
5. unterwerfen uns damit der kapitalistischen Unterwerfungslogik… machen alles noch schlimmer…
ganz schön harter Tobak. Ich lese das aus dem Blogartikel so gar nicht heraus.
Ich lese darin konkrete, pragmatische Ansatzpunkte, die mir als Menschen ermöglichen in dieser komplexen Welt wieder an Führungskraft zu gewinnen – da, wo ich gerade stehe, mit dem, was mir möglich ist, mir die Macht zu mir zurück zu holen.
Ja, wir leben in einer komplexen Welt, die wir durch unser Handeln gerade buchstäblich verheizen (siehe “Männer, die die Welt verbrennen” von Christian Stöcker); insbesondere durch die zunehmende Digitalisierung und künstliche Intelligenzen potenziert sich unser Ressourcenverbrauch. Hemma hat das im Artikel nicht direkt benannt, doch sie hat dies sicher mitbedacht.
Welche konkreten Lösungsansätze, welche Alternatien siehst du, liebe Inge, um dem “Neurokapitalismus” Einhalt zu gebieten und lebensdienliche Wirtschafts- und Lebensweisen zu etablieren?
Gespannte Grüße,
Stephanie, Team Women Re.Member
Liebe Hemma, liebe Stephanie, liebe Mitmenschen-
für mich ist auch dieser Artikel wieder wie ein reichhaltiger “Mini-Workshop”, weil ich als begeisterte “Frei/Selbstlernerin” das hier Ausgeführte und die angegebenen Anleitungen in meinem Leben erproben mag.
Diese Möglichkeit eines auf meine persönlichen Lebensumstände abgestimmten Mitlernens von/bei profunden Experten*innen schätze ich an Euch schon seit vielen Jahren und im Besonderen seit ich unsere komplexe, krankheits- und pflege/betreuungsbedingte Familienkrisensituation mitmanage.
In diesen anspruchsvollen Prozessen, welche wir (meine Familie und ich) gemeinsam mit unseren hochgeschätzten Kooperationspartnern*innen durchlaufen, erleben wir uns auch in Gesellschaftsstrukturen eingebettet, die unterschiedlich auf unsere Anliegen wirken können.
Und gerade deshalb sind auch in unserem Setting Führungskompetenzen / -qualitäten relevant, die uns alle im besten Fall ein – allen schmerzhaften Gefühlen zum Trotz bei all den Verlusten und Veränderungen- ein wohlwollendes, wertschätzendes, zuversichtsschenkendes Miteinander ermöglichen und die darüberhinaus auch in andere Lebensbereiche förderlich ausstrahlen.
Danke für Eure Denkanstösse und Blickwinkelangebote dazu, Eure lebendige Auseinandersetzung und Euer Aufzeigen von Handlungsspielräumen und Lösungsmöglichkeiten, woraus ich die für mich und mein Leben geeigneten ableiten kann.
Reich beschenkt fühle ich mich durch Euer Engagement!!!
Von Herzen Euch allen einen regenerativen Sommen,
Dagmar
Liebe Dagmar, ganz herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich fühle sehr mit und mich in der gleichen Lage, was deine komplexe Pflegesituation angeht. Ich bin da mit meiner Familie derzeit auch in diesem Thema unterwegs. Ich wünsche dir gute Lösungen, Kraft und Getragensein. Danke sehr, dass du dich zeigst und beschreibst, wie du Führungsfragen auf dein Leben anwendest. Herzliche Grüße & alles Gute, Stephanie.
Liebe Mitmenschen,
der Frage von Erkus “Braucht es ein Gruppendenken/~Geist für eine Kultur der Verbundenheit?” kann ich nur mit “ja” beantworten.
Die Kogi, ein indigenes Volk in Kolumbien, kennen diesen “einen Gedanken”: die Welt in Harmonie und im Gleichgewicht zu halten. Sie fühlen sich als Hüter der Erde.
Meine Idee: das könnte das gemeinsame Motto, Ziel, der Slogan, der „eine Gedanke“ für alle Menschen und Organisationen sein, die sich dem Leben, der Natur und der Gewaltlosigkeit verbunden und verpflichtet fühlen:
“Wir sind / ich bin Hüter der Erde und des Lebens!”
Zum Führungsstil der Kogi:
Die Mamos (männlich) und Sakas (weiblich) sind die Weisheitshüter der Kogi. Sie gelten als das „lebendige Gedächtnis” des Volkes, als Visionsträger und inspirierende Führungspersönlichkeiten, die nicht nur ihre eigene Gemeinschaft stärken, sondern auch das größere Netz der Natur.
Ihre Ausbildung ist außergewöhnlich: Einige Mamos und Sakas verbringen die ersten 9 bzw. 18 Jahre ihres Lebens in einer dunklen Höhle, wo sie von Älteren betreut und ausgebildet werden. Erst danach sehen sie die Welt zum ersten Mal. Durch dieses jahrelange Training in der Dunkelheit entwickeln sie eine besonders feine Wahrnehmung der energetischen Welt und lernen, mit der unmanifestierten Energie Aluna umzugehen.
Führungsstil: Autorität durch Dienst und Gleichgewicht
Der Führungsstil der Mamos und Sakas lässt sich als nicht-autoritär, konsensorientiert und naturbezogen beschreiben. Wesentliche Merkmale sind:
• Keine persönliche Macht, sondern Verantwortung: Ein Mamo wird so erzogen, dass er lernt, „sich der Gemeinschaft zuzuwenden, damit er ein guter authentischer Führer sein kann, um die Gemeinschaft im Gleichgewicht zu halten.” Führung bedeutet hier Dienst am kollektiven und ökologischen Gleichgewicht.
• Kollektive Entscheidungsfindung: Alle Herausforderungen werden in der Gemeinschaft besprochen und gemeinsam gelöst. Es gibt keine Bestrafung. Stattdessen geht es darum, Geist, Gedanken und Gefühle „wieder in die ursprüngliche Ordnung zu bringen.”
• Ausgleich mit der Natur: Jede Entscheidung muss mit der Natur im Gleichgewicht stehen. „Wenn wir besprechen, was wir uns vornehmen werden, muss es ausgeglichen sein mit der Natur.”
• Beispiel- und Anleitungsbasierte Führung: Die Weisheit wird durch Geschichtenerzählen, rituelle Unterweisung und vor allem durch eigenes Beispiel weitergegeben. Bei kleineren Ungleichgewichten (z. B. ungute Träume) kann man einen Mamo oder eine Saka fragen, was es bedeutet und wie man wieder ins Gleichgewicht zurückkommt.
• Innenschau statt Vorwärtsdrang: Während der „Jüngere Bruder” (die westliche Welt) nie innehält und nur nach vorne schaut, betonen die Mamos die Bedeutung des Innehaltens, des Zurückschauens und des Reflektierens, um die richtige Richtung zu finden.
Der Führungsstil der Kogi ist also radikal anders als hierarchische Modelle: Er basiert auf jahrelanger innerer Schulung, kollektiver Beratung, dem Grundsatz des Ausgleichs mit der Natur und der Überzeugung, dass wahre Führung darin besteht, die Gemeinschaft im Gleichgewicht zu halten – nicht, Macht über sie auszuüben. Die Männerhäuser sind dabei nicht nur Versammlungsorte, sondern Räume regelmäßiger gemeinsamer Reflexion, Problemlösung und ritueller Praxis.
Quellen: energie-heilung.info (Berichte von Begegnungen mit den Kogi, u. a. Schloss Tempelhof 2022) und Koosloome Koda (Veranstaltung mit Kogi-Weisheitshütern 2025).
Liebe Grüße
Franz-Josef