Hinweis: Ich verwende in diesem Beitrag den Begriff Frauen*. Damit sind alle Menschen gemeint, die sich selbst als Frauen definieren.
Diese Bilder gehen mir nicht mehr aus dem Kopf: Mauersegler-Jungen stürzen sich aus Verzweiflung über die brütende Hitze aus ihren Nestern unter den Dächern Wiens. Und sterben am Boden, weil sie noch nicht fliegen können. 2.000 Hitzetote in Frankreich im Juni – und noch viel mehr in anderen Ländern. Hitze-Schlagzeilen, ja. Aber keine Frage nach den tieferen Ursachen. Und vor allem kein kollektiver Aufschrei. Kein Handeln, um das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen zu schützen.
Die Hitze scheint für viele ein Naturereignis zu sein, das nichts mit uns zu tun hat. Doch dieses Hitze-Sterben ist kein natürlicher Prozess. Es ist die Folge unserer zerstörerischen Lebensart. Ich frage mich: Würden wir Tausende Tote in Europa auch so hinnehmen, würden wir uns in einem Krieg befinden? Eine Mischung aus Wut und Empörung steigt in mir auf …
Szenenwechsel: Ich sitze mit über 250 Frauen* im Webinar „Führen für das Leben – und der Beitrag von Frauen”. Zwei Stunden, die die ganz großen Themen hervorbringen: die tiefe Erschöpfung vieler Frauen*, die Verzweiflung und Ratlosigkeit angesichts patriarchaler Dominanz.
Und dann ein Satz, der mehrfach vorkommt, in unterschiedlichen Worten: ich trau mir das eigentlich nicht zu. So viele Frauen*, die ihre Führungskraft nicht voll leben, weil sie sich innerlich selbst abwerten, klein machen – und damit von ihrer eigenen Gestaltungsmacht abschneiden.
Was hat das alles miteinander zu tun?
*Jetzt, da unser aller Leben auf diesem Planeten akut gefährdet ist, braucht es uns alle, die für das Leben einstehen. Männer, Frauen, alle Geschlechtsidentitäten. Doch unsere patriarchale Prägung kommt uns dabei in die Quere – auf unterschiedliche Weise.
Als Frau* kennst du das vielleicht: Du siehst, was gebraucht wird. Du hast Ideen, Energie, eine klare Haltung. Aber wenn es darum geht, wirklich Führung zu übernehmen, zögert etwas in dir.
Dieses Zögern ist kein persönliches Versagen. Es ist ein Erbe. Über Jahrhunderte wurden Frauen verfolgt, gefoltert, als Hexen verbrannt, wenn sie ihrer eigenen Wahrheit gefolgt sind. Wenn sie frei waren. Wenn sie anders waren, als die patriarchale Ordnung es vorgesehen hat. Diese Erfahrung sitzt noch in unseren Zellen. Die Psychotherapeutin Gertrude R. Croissier nennt das die „Inquisitions-Schranke”.
Carol Gilligan und Naomi Snider beschreiben in ihrem Buch „Why Does Patriarchy Persist?” (2018), wie sich das fortschreibt: Mädchen geben ihre innere Wahrheit auf, um dazuzugehören. Sie beginnen, an ihrer eigenen Wahrnehmung zu zweifeln, halten sich zurück und schwächen sich damit selbst. Burschen wiederum geben ihre Fürsorglichkeit und ihre Gefühle auf, um „richtige Männer” zu sein.
In vielen Frauen* steckt also ein tiefes Grundgefühl: weniger wert zu sein, nichts zu sagen zu haben, ohnmächtig zu sein. Doch damit blockieren Frauen* ihre eigene Gestaltungskraft. All das kommt vielen jetzt in die Quere, wenn es darum geht, für das Leben einzustehen und Führungsverantwortung zu übernehmen.
Und dazu kommt, dass sich gerade in der Welt das alte Muster von Ausbeutung und Dominanz in seiner härtesten Form zeigt. Macht über Menschen, über Ressourcen, über die Natur. Eine Gier nach Kontrolle über alles Lebendige.
Und parallel dazu werden Räume, die Frauen* sich über Jahrzehnte erkämpft haben, wieder enger. Politisch, gesellschaftlich und auch in Organisationen. Plötzlich ist es etwa wieder ganz normal, dass ein Podium nur mit Männern* besetzt ist, und kaum jemand wundert sich.
Aber es geht noch viel weiter. Der frauenfeindliche Influencer Andrew Tate mit über zehn Millionen Followern allein auf Instagram ist da nur die Spitze des Eisbergs. Das Internet ist voll von Inhalten, die Frauen zum Objekt machen oder herabwürdigen. Werbung, Musikvideos, gewaltverherrlichende Pornografie. Diese Frauenfeindlichkeit wächst auch „im echten Leben” – nicht nur unter Männern*, auch unter Frauen*, wie eine aktuelle Metastudie der Uni Bern von März 2026 zeigt (Fußnote: ¹ Meta-Analyse der Uni Bern (Nater/Dorrough u. a., Psychological Bulletin 2026): Frauenfeindliche Medieninhalte erhöhen die Feindseligkeit gegenüber Frauen — bei Männern* am stärksten, aber auch bei Frauen*.
Das Dominanzgehabe über die Natur, das Lebendige und über Frauen* – all das geht Hand in Hand. Wie können wir mit all dem umgehen – und was können besonders Frauen* jetzt beitragen?
In Teil 1 dieser Blog-Serie beschäftige ich mich mit einer Alternative zum Modell von „schneller, höher, weiter” – einem zyklischen Führungsmodell.
Zyklisches Führen – ein Ausweg aus der Wachstums-Illusion
Ein Gedankenexperiment: Stell dir vor, unsere Parlamentarier:innen würden vor jeder großen Entscheidung in den Wald gehen. Wie anders würde unsere Politik wohl aussehen?
Was, wenn wir auch die Bäume, die Tiere, die Pflanzen wieder als Wesen begreifen und nicht als Objekt? Was, wenn wir ihre Weisheit und ihre Perspektive in unsere Entscheidungen mit einbeziehen?
Wenn wir uns mit Natur, den mehr-als menschlichen Wesen verbinden, dann können wir wahrnehmen, dass in ihr alles in Kreisläufen entsteht und vergeht. In unserem Körper auch. Das Gleiche gilt auch für Projekte und Produkte: Sie entstehen, blühen, reifen und dürften danach wieder sterben. Nur sind wir so aufs Wachsen und Größer-Werden geeicht, dass uns das Loslassen schwerfällt. Doch dieser Fokus auf „höher, schneller, weiter” bringt uns jetzt gesamtgesellschaftlich in große Schwierigkeiten. Auch Organisationen sind darauf getrimmt, immer weiter zu wachsen. Und sind jetzt damit überfordert, zu kürzen und zu reduzieren.
Crawford Holling nennt das die „Rigiditätsfalle”. Wir stecken an vielen Stellen all unsere Energie ins Erhalten des Gewordenen – halten fest am Gewohnten – aus Angst vor dem, was kommen könnte. Doch je länger wir das tun, desto eher reichen kleine Irritationen, um ein ganzes System zum Kippen zu bringen. Ein unkontrollierter Zerfall droht. Das passiert, wenn wir nicht bewusst verabschieden, sterben lassen und betrauern – eine zentrale Kompetenz des zyklischen Führens, die wir in den nächsten Jahren dringend brauchen werden.
In ihrem Buch „Das Gaia-Prinzip” beschreibt meine Women Re.Member-Kollegin Veronika Lamprecht mit vielen Beispielen, wie diese Art zyklischer Führung aussehen kann. Diese Erfahrungen bringt sie auch im Onlinekurs „Women Re.Member” ein.
Was heißt das für Führung?
Ein Beispiel, wie das Verabschieden in Projekten besser gelingen kann: Plane im Neubeginn von Projekten bereits den Abschluss und den damit verbundenen Abschied ein. Ernte mit deinem Team die Früchte des Erfolgs. Nehmt euch Zeit, aus dem zu lernen, was nichts geworden ist – und bringt es als Humus in eure neuen Projekte ein. Feiert und beendet Projekte ganz bewusst. So schafft ihr Platz für das, was neu entstehen will.
Der weibliche Zyklus als Ressource
Über den eigenen Zyklus und über die Fähigkeit, Leben hervorzubringen sind Frauen* direkt mit dem Zyklus des Lebens verbunden. Über Jahrtausende haben Frauen* Erfahrung damit gesammelt, was es heißt, für das Leben zu sorgen. In traditionellen Kulturen haben besonders die Frauen* die existenziellen Übergänge des Lebens begleitet, z. B. als Hebammen bei der Geburt. Doch diese Erfahrung wird bis heute geringgeschätzt. Care-Arbeit – also Arbeit, die unmittelbar dem Leben dient, ist schlecht bezahlt, während Tech Jobs hoch dotiert sind.
Auch Männer* können sich mit dem Zyklus des Lebens verbinden. Nur Frauen* sind durch ihre Erfahrungen oft noch näher dran an dem, was „für das Leben” eigentlich meint – und könnten diese Erfahrung gerade jetzt einbringen, wenn es darum geht, unser Überleben auf diesem Planeten zu sichern.
Deshalb wird es Zeit, dass wir all das in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen – und für das Leben führen. Doch dazu braucht es einen intensiven Umlernprozess.
Führen lernen
Wenn wir diese Art zu führen in unser Leben integrieren wollen, dann sind zwei Lernprozesse nötig:
- das Bisherige verlernen: die Ideologie von schneller, höher, weiter verabschieden. Die Glaubenssätze der eigenen Minderwertigkeit ablegen.
- das Neue erlernen: zyklisches Führen in die eigene Arbeit integrieren. Körper, Gefühle, Gemeinschaft als Ressource für lebensdienliches Führen entdecken (dazu folgt in Kürze Teil 2 dieses Blog-Artikels)
Dieser Prozess braucht Zeit und Aufmerksamkeit – und gelingt am besten mit der Unterstützung von anderen. Deshalb gibt es den Onlinekurs Women Re.Member.
In diesem Kurs nehmen wir uns ein halbes Jahr Zeit, mit diesen Themen wirklich zu arbeiten. Denn es reicht nicht, die Dinge zu verstehen, frau muss sie auch anwenden …
Wenn du also beim Lesen an einer Stelle innerlich genickt hast, dann bist du genau richtig.
Wenn du mehr erfahren willst – wie der Kurs aufgebaut ist, was dich erwartet, ob es für dich passt – dann schau direkt auf die Kursseite. Wenn du noch ganz konkrete Fragen hast – schreib uns ein Mail.
Von Herzen, Hemma
Women Re.Member
Die Welt braucht weibliche Führung. Women Re.Member unterstützt dich dabei, dich an deine ureigene Kraft zu erinnern und sie wirksam in die Welt zu bringen. Start: 24. September
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- https://pioneersofchange.org/fuehren-fuer-das-leben-teil1/
11 Gedanken zu „Führen für das Leben – Teil 1“
Liebe Hemma, liebe Menschen –
mich bewegt nach dem Lesen dieses Beitrags, wie ich mein Leben so führen kann, daß meine Mitwelt und meine Mitlebewesen in meinen Lebensstil miteinbezogen/mitberücksichtig sind und davon profitieren.
Da mein Dorf zu einem “Biosphärenpark” zählt, habe ich mich in diese bemerkenswerte, regionale Konzeption vertiefter eingelesen und schon ein paar Impulse in unserem Garten umsetzen können – was uns und unsere tierischen & pflanzlichen Mitbewohnern auch bei großer Hitze unterstützt hinsichtlich Beschattung, Bodenfeuchte, Nahrungsangebot….u.n.v.m.
Daß es dieses und Euer Bildungsangebot gibt, schenkt mir Zuversicht.
Alles Liebe,
Dagmar
Liebe Hemma,
ich habe mir heute besonders Zeit für mich genommen und so auch mit Freude deinen Beitrag gelesen.
Ich habe mich dadurch an das Theorie U Modell von Otto Scharmer erinnert, was du sicher auch kennst.
Das Verlernen, das Ablegen alter Muster, die mir auch einmal gedient haben erfordert aus meiner Erfahrung so viel Geduld , Ausdauer und auch Begleitung.
Ich habe oft diese Muster in mir am liebsten schnell “entsorgt”, sobald ich sie identifiziert habe. Das hat nie geklappt 😅.
Diese Muster zu wertschätzen, weil sie mich in der Vergangenheit geschützt und auch vorwärts gebracht haben, ist aus meiner Sicht sehr wichtig. Dann habe ich Abschied immer wieder leichter erlebt.
Liebe Grüße an dich und das Team! So wertvoll, eure Arbeit!
Liebe Hemma,
es berührt mich sehr über den Tod der Vögel zu lesen und das Herz schmerzt.
Merkwürdig – keine andere Spezies hätte das dauerhafte Aushöhlen und Zerstören ihres Habitats länger überleben können.
Die Tatsache, dass es uns immer noch gibt, lässt hoffen, dass wir vielleicht doch noch für andere Erfahrungen und Kreationen bestimmt sind.
Ich finde Deinen Hinweise, das Ende eines Projektes gleich am Anfang mit zu integrieren sehr interessant und werde das mal in mir köcheln lassen. Danke dafür!
Was Führung angeht, so stelle ich mir inzwischen immer häufiger die Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht, sich immer nur auf die menschliche Führungs-Kompetenz bzw. -Inkompetenz auszurichten.
Je krasser die Zustände werden auf unserem Planeten, desto mehr steigt in mir das Gefühl auf, dass wir gut daran täten, einen Weg zurück zur Demut zu finden und uns unsere Unfähigkeit mit unserem Verstand zu leiten und zu führen endlich einzugestehen.
Ich neige immer mehr dazu, mein Herz zu befragen, was jetzt dran ist oder das Leben darum zu bitten, mich als Werkzeug zu nutzen, um zum Wohl aller beitragen zu können.
Wenn es mir gelingt, den Teil in mir, der glaubt zu wissen, was das Beste sei, in Entspannung zu bringen und einfach offen zu sein und zu lauschen, können Impulse und Inspiration kommen.
Danke für Dein und für Euer Wirken! Ihr tut einfach gut.
Sabine
Liebe Hemma, liebe Frauen
ja, ich bin voll und ganz mit euch, mit euren Bemühungen im Verlernen und im Neulernen und mit euren Inhalten … und … ich spüre einen Ärger und ich habe eine Bitte:
Wie ihr in der Anrede sehen könnt, setze ich bewusst und mit einem gewissen Zorn keinen Stern hinter den Begriff Frau oder Frauen. Diese Worte bezeichnen in der deutschen Sprache das weibliche Geschlecht. Punkt. Dies geschieht genau so einfach und selbstverständlich wie das Wort Mann oder Männer das männliche Geschlecht bezeichnen. doch hinter den maskulinen Worten sehe ich weder in diesem Blog noch sonst je bei den Pioneers einen Stern*!
Meine Haltung ist eindeutig und klar: Weder Frau/Frauen noch Mann/Männer brauchen einen Stern* zur Erklärung dessen, was damit gemeint ist … zumal die Bedeutung dieses Sterns dann nicht mal definiert und erklärt wird. Und bitte sehr – wieso erscheint der Stern nur bei den Frauen und bei den Männern nicht?
Mich als woman zu re-membern und das zyklisch-ganzheitliche Führen ohne “Inquisitions-Schranke” zu lernen und zu leben heisst für mich ganz konkret und prpagmatisch, mich und mein Geschlecht in meiner Bedeutung und in meiner Wirkmacht als Frau nicht zu relativieren mit einem Stern. Ich bitte euch dringend, diesen Trend zu hinterfragen und den Stern schlicht und einfach wieder zu verlernen! Ich zitiere: “Die Glaubenssätze der eigenen Minderwertigkeit ablegen” > das heisst für mich auch, als Frau in meinem Geschlecht ganz nackt und ohne Stern* hinzustehen und einzustehen für mich selbst in meinem voll verkörperten Frausein!
Sabine Brönnimann
Liebe Sabine, danke für dein Feedback und deine Perspektive auf *! Und es stimmt, der * gehört auch bei *. Ich habe ihn deshalb auch bei Männer* ergänzt. Warum ich mit * schreibe und was ich damit meine. Gemeint ist: Frauen* = alle, die sich selbst als Frauen definieren. Ich will niemandem wegnehmen, sich selbst als Frau zu definieren. Warum ich das mache: Auch unsere kollektive Frauengeschichte ist voll von Ausgrenzung, von Erfahrungen: du gehörst nicht dazu, weil du eine Frau bist. Und weil ich das auch in meinen Zellen habe und spüre, wie schmerzhaft Ausgrenzung ist, will ich sie nicht weitergeben. Deshalb wähle ich eine Schreibweise, die alle Menschen meint, die sich selbst als Frauen definieren. Herzlich, hemma
Liebe Hemma, liebe Frauen,
mich haben die 3 Begriffe, die Du, Hemma, hervorgehoben hast, sehr angesprochen: Körper, Gefühl und Gemeinschaft.
Hier meine positiven Erfahrungen dazu:
Körper spüren
– in einen Chor gehen (es gibt ganz unkomplizierte zugange dafür). Im Singen spüren wir ganz automatisch unseren Körper,
können ausprobieren, wie er sich anfühlt, wenn wir z.B. leise oder laut singen
– Sprechunterricht nehmen (kostet meistens etwas). Wir lernen hier nicht nur sprechen, sondern auch die Körperhaltung
bewusst mit einzubeziehen
– bei einem Laientheater mitmachen (das kostet nur Zeit).
Bei allen Varianten ist das Atmen ganz wichtig, weil es gezielt eingesetzt wird und damit das Körperliche betont wird.
Gefühl entdecken
– Wenn ich singe oder bewusst spreche, ist auch mein Gefühl involviert. Bin ich “piepsig”, weil ich mich unsicher fühle, oder setze ich
mit Absicht die leise Stimme ein, spreche aber deutlich und bestimmt.
Wie fühle ich mich, wenn ich singe? Wie fühle ich mich, wenn ich spreche?
habe ich Angst, mich bei einem Chor anzumelden? Habe ich Hemmungen, meine Meinung zu äußern?
Freue ich mich meiner Stimme und ihrer Resonanz?
Gemeinschaft
gerade beim Chorsingen oder beim Theaterspiel ist Gemeinschaft immer inkludiert. Ohne die anderen geht es nicht.
jede unterstützt jede im Singen wie im Schauspielen, sonst wird das nichts.
ich finde diese Zugänge sehr freudvoll und aufbauend. Wenn ich das erlebt habe, kann ich weiter machen, auch etwas allein wagen,
selbständig agieren, innerhalb einer Gruppe Vorschläge machen…selbstbewusst auftreten für meine Ideen, mit anderen gemeinsam
gute Lösungen finden, mich mit Freude und Zuversicht einbringen als auch Unterstützung und Trost von anderen annehmen.
Schön, dass Du wieder dabei bist, liebe Hemma!
Ich freue mich schon auf Teil 2!
Herzliche Grüße an alle Frauen im Team und in der Runde!
Sylva
Danke für diese Worte. Ich habe mich ebenfalls gefragt warum nur hinter dem Wort Frau der Stern steht und hinter dem Wort Mann nicht. Mich irritiert der Stern an dieser Stelle sehr und ich frage mich wer damit gemeint sein soll. Meine Identität spricht er nicht an. Etwas was vlt. inklusiv gemeint sein soll (?)schließt mich aus!
Hallo, es stimmt: der * gehört auch hinter Männer*. Ich habe ihn ergänzt. Was ich damit meine wenn ich Frauen* schreibe: alle Menschen, die sich selbst als Frauen definieren. Wenn du dich also als Frau definierst, dann meine ich DICH. Und vielleicht teilst du die Erfahrungen, die ich im Blog beschreibe. Dann bist du auch gemeint :-). Warum ich das so schreibe: Ich will niemandem wegnehmen, sich selbst als Frau zu definieren. Wir Frauen haben so viel Ausgrenzungserfahrung in unserer kollektiven Geschichte. Diese will ich nicht weiterschreiben. Herzlich, hemma
Mir fehlt bei all den Gedanken noch das „Beackern“, das Kraft, Energie und Ausdauer erfordert – nicht nur säen, warten und dann ernten.
Meine Tochter, 39 und sehr emanzipatorisch unterwegs, fand die Einführung neulich ein bisschen zu „lieb“.
Danke für den wertvollen Artikel und auch die Kommentare dazu. Ich kann bei mir beobachten wie mich die ‘SternFrage’ vom eigentlichen Inhalt weglenkt. Ist sie ein Stein im Schuh, der erst noch raus muss bevor es weitergehen kann? Oder können wir die Frage loslassen im Sinne von ‘jedes Empfinden dazu hat seinen Wert’ aber/und jetzt geht es darum, wie wir als Menscheitsfamilie in all unseren Identitäten diese zyklischen Qualitäten einbringen? Ich finde auch die Frage spannend, ob das nur über Führung geht (und kann eine Unterscheidung sehen zwischen der Führung durch den Verstand und der des Herzens) oder ob es noch anderes braucht. Soweit mein X auf der Landkarte gerade. Herzliche Grüße zu Euch allen, Andrea
Ja die Sternchenfrage ist ein Stein im Schuh weil er so viele Forschungs- und Beackerungsfelder mit einschließt, die wir kollektiv zwar alle – und ich hoffe alle – und aus gutem Grund aktuell durchpflügen. Wobei einfach noch nicht geklärt ist ob es ein Durchpflügen von Anfang an gebraucht hat oder ob der Boden einfach neu mit ganz viel Humus oben drauf neu belebt werden darf, so dass er lebendig wird und dem Leben dient.
Ich persönlich glaube nicht dass es Sternchen hinter den Wörtern Mann und Frau braucht um alle Identitäten einzuschließen. Wie ich schon geschrieben habe empfinde ich den Stern an dieser Stelle eher als ausschließend. Dazu gibt es aber an anderer Stelle viele Diskussions- und Aushandlungsmöglichkeiten.
An dieser Stelle darf geklärt werden wieweit eine körperliche Erfahrung, nämlich die Erfahrung der Zyklen – die wir alle mehr oder weniger erfahren, egal mit welchem Geschlecht wir uns identifizieren, wenn wir uns dafür wieder öffnen unsere Lebensrealität verändern und gestalten darf. Und da gibt es riesige Unterschiede zwischen den Menschen. Es gibt die, die sie am liebsten zum Beispiel durch Hormone nivellieren würden und dann gibt es die, die ihr ganzen Leben, ihren Alltag und ihr ganzes Sein danach ausrichten.
Dahinter liegt so etwas wie die Gretchenfrage: bin ich annehmend für das was das Leben mir gibt und gestalte mit den Mitteln, die mir das Leben gibt schöpferisch mein Sein oder stelle ich die Mittel selbst in Frage um mir anhand dieses Infragestellens das Leben selbst zu gestalten und zu erarbeiten. (Ein Beispiel: nehme ich an, dass es Zyklen wie Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt und er-/beschaffe mir Kleidung entsprechend der Temperaturen und erlebe so Vielfalt und Lebendiges. Oder versuche ich die Temperaturen so zu regulieren um zu jeder Tages- und Nachtzeit dieselbe Kleidung tragen zu können oder die die mir gerade ge-/einfällt um mich lebendig zu fühlen.)
Es ist eine sehr persönliche Entscheidung und sie wird unser kollektives Empfinden in der Zukunft maßgeblich beeinflussen.
Alle sehr alten Gesundheitslehren, die ich kenne, propagieren eher erstere Wahl: komme in Einklang mit den Zyklen in dem du sie erkennst, respektierst und lieben lernst und dein Leben wird bunt, vielfältig und größer und schöner als du es dir ausdenken kannst. Im Einklang mit dem eigenen Wesen zu leben heißt da gleichzeitig im Einklang mit dem größeren Ganzen zu leben.
Also: verändern wir das größere Ganze? oder erkennen wir uns selbst? Wohin darf unsere Schöpferkraft fliessen?
Im größeren Blick dürfen wir erkennen, dass wir unsere Welt schöpferisch gestalten und dabei ko-kreative Wesen sind. Niemand schöpft nur aus sich heraus. Wir beeinflussen uns alle gegenseitig. Und niemand ist wirklich abhängig von den Zyklen: sie sind ein Gestaltungsmittel, mit dem wir spielen können.
Am Beispiel: ich kann mich ärgern und martern, dass ich im Winter warme Kleidung anziehen muss obwohl ich das eigentlich gar nicht will oder ich kann mich freuen, dass ich mal etwas anderes tragen kann als im Sommer. Es hat einfach eine andere Erlebensqualität, die mir das Leben da anbietet und ich kann mich entscheiden mich daran zu erfreuen oder dagegen zu sein.
Ich schaffe und ich werde geschaffen. Beides zu gleichen Teilen.
Die Zyklen schaffen mich und ich schaffe sie. Gleichzeitig.
Das Märchen, dass in Frauen ein Grundgefühl der Wertlosigkeit sitzt und sie dadurch weniger Wert in der Gesellschaft erfahren sollte nicht durch Wiederholung mehr Kraft bekommen. Bitte erzählt nicht das weiter was ihr als alt und überholt anseht!!! Erinnert euch an die wahren Märchen, die die alle Menschen ermächtigen weil sie von der Weisheit des Lebens erzählen.
Frauen sind nicht näher dran an den Zyklen nur weil sie sie hauptsächlich körperlich erfahren. Wer sagt denn dass das wahr ist? Vielleicht wissen wir noch viel zu wenig darüber wie Männer Zyklen erfahren! Vielleicht sind die Zyklen weniger körperlich und haben eine ganz andere Ausdrucksform? Kennen wir die Zyklen der Männer überhaupt? Haben wir uns mit ihnen vertraut gemacht? Ist eine körperliche Erfahrung höher zu bewerten als eine geistige? Oder umgekehrt? In gar keinem Fall!!! Beides gleichWERTig. Und so sollten wir auch damit umgehen. Es hat alles seinen Wert. (Auch ein Stern hinter einem Wort. 😉
Ich entscheide über meinen Wert und er wird mir zugesprochen. Gleichzeitig.
Woran mache ich meinen Wert fest? An Lohn, Gehalt, Sichtbarkeit, Macht? An einem Gefühl von Stimmigkeit, an einem Leben in Schönheit und Frieden geführt? An Dingen die mir von Aussen zugeschrieben werden und die ich dort erlebe oder an Dingen, die ich mir selbst zuschreibe und in meinem Inneren erlebe? Auch hier: das Aussen und das Innen können gleichzeitig ko-kreativ miteinander wirken. Alles wirkt ko-kreativ auf- und miteinander.
Was nicht von der Hand zu weisen ist ist eine Art strukturelle Gewalt, die ein zyklisches Leben sehr schwer macht und auch verhindert. Es gibt Qualitäten des Lebens, die werden tabuisiert, verdrängt, nicht wert geschätzt für das was sie sind. (Sprechen wird meist viel höher bezahlt als zuhören, trainieren wird mehr wahrgenommen als regenerieren, etwas nach Außen zu geben wird mehr anerkannt als etwas von Außen zu nehmen, feiern ist beliebter als trauern) Seit der Zerstörung der „großen Göttin“ werden Teile des Lebens als „gut“(=wertvoll) und andere als „schlecht“(=wertlos) bewertet. Das steckt tief in uns allen drin.
Also: Lasst uns darin üben wieder alle Aspekte des Lebens wert zu schätzen. Das könnte allen Geschlechtern helfen ihrem Wesen entsprechend leben zu können.