Innerer Wandel

Über die Befreiung von Konventionen
und wie der Kulturwandel in uns beginnt

Wenn ich auf die ökologischen und politischen Trends in der Welt schaue, dann bin ich oft bedrückt. Richtig bedrückt. Ohnmacht, Wut, Trauer, Angst… alles da in mir.

Da hilft es mir, meinen Blick auf jene Menschen und Initiativen zu richten, die völlig neue Seins- und Arbeitsweisen manifestieren. Für mich sind sie wie Imagozellen in der Schmetterlingsraupe – und diese Lieblingsmetapher gibt mir Mut (in diesem Video von Alfred Strigl sehr lebendig erklärt).

Ich steh’ einfach auf Pionier*innen, die bei sich selbst beginnen im Sinne von Gandhi’s „Be the Change you want to see in the world“. Die sich von Konventionen befreien und die (verzeihe, wenn das kitschig klingt) aus dem Herzen agieren.

Und damit meine ich Menschen, die einen inneren Wandel vollzogen haben (und nicht „Entrepreneurs“, die sich mit einem Homo Oeconomicus-Mindset in Accelerator-Programmen ins Burnout hypen). 

Wir leben in einer Zeit des Paradigmenwechsels, die Tiefenökologin Joana Macy nennt’s „The Great Turning“. Sie sagt: Wir sind mitten drin in einem gesellschaftlichen Wandel von einer Tragweite vergleichbar der industriellen Revolution. Und: die Menschheit WIRD in Zukunft nachhaltig leben (oder eben nicht).

Die Hauptaufgabe dabei für unsere Generation ist aus meiner Sicht:

Ein umfassender Kulturwandel.

In allen Bereichen des Lebens spüren wir, dass wir unsere „kulturellen Praktiken“ hinterfragen und es tiefgehende Veränderung braucht: Wie Kinder lernen, wie wir wirtschaften, wie wir arbeiten und uns organisieren, wie wir uns ernähren, wie wir mit Krankheit und Gesundheit umgehen, wie wir mit Geburt und mit Tod umgehen, wie wir Partnerschaften leben, wie unser politisches System organisiert ist, und so weiter und so fort.

Ganz schön fordernd? Und ganz schön spannend, in dieser Zeit zu leben und Teil dieser kulturkreativen Bewegung zu sein.

Es beginnt mit uns. Es beginnt IN uns.

Damit sich im Außen wirklich etwas ändert, braucht es einen inneren Wandel. Eine innere Befreiung von alten Mustern und Konventionen.

„The problems we are facing are irresolvable unless we change who we are.”, sagt der Organisationspionier Peter Senge vom MIT.

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Für viele von uns beginnt es mit einem Erkennen, wie wir mit allen und allem verbunden sind. Teil der Natur, selbst Natur sind. „Interbeing“ nennt der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh diese Haltung der Verwobenheit, die uns auch hilft, klassische Gut und Böse-Muster hinter uns zu lassen (dieses Gedicht von ihm find ich sehr berührend).

 

Der Wandel beginnt mit uns, indem wir uns verbinden mit unserer inneren Wahrheit: dem Wissen in unseren Herzen, was für uns stimmt und nicht stimmt. Hinhorchen und sich selbst gehorchen.

Das heißt für viele von uns, dass wir erst mal aufhören mit dem, was nicht mehr stimmt. Und Platz schaffen für Neues. Unser Leben ist zu kostbar, um es mit Jobs, Ausbildungen, Menschen zu verbringen, die uns nicht gut tun.

Der innere Wandel beginnt mit dem Durchbrechen von Gewohnheiten, mit denen wir unser Leben verstopfen (Medien, Ernährung, …). Vielfach steht auch eine Emanzipation von den Erwartungen unseres Umfelds an. Oder eine Bearbeitung von limitierenden Prägungen aus der Kindheit oder Glaubenssätzen aus Familiensystem und Gesellschaft.

Diese Phase der „Läuterung“ im persönlichen Wandel- und Aufwachprozess braucht Mut und Durchhaltevermögen – eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten hilft ungemein. Wer hilft dir? Wer sind deine gleichgesinnten Menschen, deine Gemeinschaft, die deine inneren Potentiale und Werte nährt?

Der erste einfache Schritt könnte sein, den inneren Raum zu schaffen, in die Stille zu gehen und zu lauschen, was unser Herz sagt. Mir hilft zum Beispiel immer wieder, in die Natur zu gehen, weit zu wandern, oder auch meine tägliche Stillepraxis. Anderen hilft ein Tagebuch oder ein regelmäßiges „Council“ mit WeggefährtInnen. Was hilft dir, um nach innen zu lauschen?

Einmal am Tag sich einen Rahmen zu schaffen, um dich mit dir zu verbinden, kann schon ein erster großer Schritt sein, um aus dem Alltagstrott rauszukommen!

Wenn wir uns nicht im Innen ändern, reproduzieren wir bei allen “Weltverbesserungs-Aktivitäten” nur alte Muster. Insofern ist innerer Wandel die Basis für Wandel-Initiativen und etwas höchst politisches!!! Nehmen wir uns ernst!


Schön, dass du bis hierher gelesen hast. Nimm die Gedanken als Impuls, gleich JETZT eine Veränderung für dich einzuleiten…

Was ist eine Sache oder eine Gewohnheit, von der du dich befreien willst und die du JETZT entscheidest zu lassen? Und wie schaffst du deinen inneren Raum?

Schreib in das Kommentarfeld, ich bin neugierig, von dir zu hören. Und: du verstärkst damit deine Absicht, indem du es öffentlich ausdrückst. Und du inspirierst damit auch andere….

Falls Du eine andere Herangehensweise empfiehlst, um mit dem Inneren Wandel zu beginnen, freue ich mich, wenn Du diese hier mit uns teilst!

Martin Kirchner ist Mitgründer der Pioneers of Change in Österreich

„Wenn das Innere bereit ist, kann das Äußere folgen. Es geschieht dann wie von selbst.”
J.W. Goethe

2019-10-16T16:46:15+01:00

12 Kommentare

  1. Doris Buchmayr 28. Oktober 2017 um 15:07 Uhr - Antworten

    Hm, was könnte mein innerer Wandel sein? Nicht mehr nur auf das Prinzip Sicherheit zu setzen, das ich so eingebläut bekommen habe von Daheim. Sondern meine eigene, innere Entfaltung hinein in unsichere Bereiche voranzutreiben, indem ich den Mut habe, zum Leben zu sagen: Gib mir eine nächste Chance für Wachstum! Fordere mich heraus! Und dann dem Wachstum zuliebe den Weg gehen, der zuallererst verunsichert…

  2. ballartist 4. Oktober 2017 um 22:58 Uhr - Antworten

    Ich finde, Innerer Wandel beginnt damit, die negative Auswirkung von Religion jeglicher Art auf das menschliche Zusammenleben und die menschliche Freiheit anzuprangern. Es wundert mich, dass diese Debatte nicht geführt wird. und wie die moderne Welt archaische Denkmuster nicht abstreifen kann. Hier sollte die Kampagne ansetzen: Innere und äußere Werte, die Gebote des Zusammenlebens und der Selbstverwirklichung, anstatt religiöser oder nationalistischer Einschränungen.

    Bin Ich für dieses Forum vielleicht zu politisch? Dann lasst es mich wissen. Ich finde,Verharren in unpolitischer Selbstfindung gefährdet notwendige gesellschaftliche Prozesse.

  3. ballartist 4. Oktober 2017 um 20:17 Uhr - Antworten

    Für viele von uns beginnt es mit einem Erkennen, wie wir mit allen und allem verbunden sind. Teil der Natur, selbst Natur sind. „Interbeing“ nennt der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh diese Haltung der Verwobenheit, die uns auch hilft, klassische Gut und Böse-Muster hinter uns zu lassen.

    Wieso vertreiben die Buddisten gewaltsam Muslime aus dem früheren Birma ( MyanMar)? Ist das nicht das klassische böse Muster? Das muss man anprangern und nicht hinter sich lassen. Ist Religion nicht generell eine Geißel der Menschheit und die Ursache von totaler Unfreiheit?

  4. Michael Nußbaumer 3. Oktober 2017 um 16:01 Uhr - Antworten

    Danke, Martin!

    die App heißt Medigong und kann, glaub ich, wirklich “nur” einen Gong auslösen nach einer selbstgewählten Zeit. Und die App braucht überhaupt keine Zugriffe auf irgendwelche Daten dafür :o)
    herzlichen Gruß,
    MIchael

  5. Michael Nußbaumer 29. September 2017 um 9:48 Uhr - Antworten

    Danke, Martin!

    Fühl mich dir durch das was du beschreibst sehr nahe; ist ja mein Leibthema – der Kulturwandel und der innere Wandel und du bringst das wirklich wunderschön auf den Punkt oder in den Raum :o)
    Auch bei der Bedeutung der Alltagspraxis bin ich ganz bei dir. Ich habe seit einer Woche einen Gong, der nach 1 Stunde und 1 Minute Büroarbeit erschallt (eine App) – und dann lass ich augenblicklich alles stehen und mach eine Pause bzw. etwas anderes – Hausarbeit, Bewegung, Meditation oder mit der Kleinen spielen. Die Anregung hab ich vom Film über Thich Nhat Hanh, Walk with me, heißt der, glaube ich. Sehr empfehlenswert.

    Was ich noch hinzufügen kann, zu deiner Anregung, Veränderung gleich jetzt einzuleiten: Es kann der tiefgreifendste Wandel sein, das was ist und das was ich bin ganz anzunehmen und zu “feiern”. Das ist – natürlich – nur ein scheinbarer Widerspruch.
    Es passt wunderbar zusammen.
    Alles Gute und Liebe,
    Michael

    • Martin Kirchner 29. September 2017 um 10:20 Uhr - Antworten

      Hey Michael,
      freu mich sehr über deine Antwort!
      Welche App verwendest du? Ich verwende das bei Seminaren oder längeren Meetings – aber für den “Büroalltag” klingt das auch gut.
      Und danke für den Hinweis mit dem “Annehmen”! Das wird wohl ein eigener Blog-Artikel werden 😉
      Herzlich,
      Martin

  6. Renate Sanyang 29. September 2017 um 4:04 Uhr - Antworten

    Glückstagebuch!!! Diese Erfahrung kann ich aus ganzem Herzen bestätigen, hundertfach.Und jetzt freue ich mich auf den Wald, der Weg will wieder gefunden werden…

  7. Julia 28. September 2017 um 21:34 Uhr - Antworten

    Lieber Martin,
    Vielen Dank für deine Worte. Ich könnte sie immer wieder lesen, heute, morgen, übermorgen… um dran zu bleiben. Ein kleines Werkzeug, das hilft um das Gute eines jeden Tages wahrzunehmen, ist das “Glückstagebuch”: Jeden Tag in ein paar Zeilen notieren, was heute gut war. Nach einiger Zeit stellt sich bei mir automatisch ein positives Lebensgefühl ein, auch in schwierigeren Phasen.
    Alles Liebe,
    Julia

    • jakob 29. September 2017 um 12:35 Uhr - Antworten

      Danke für deine Gedanken. Ich versuche jeden Tag mit einem Danke zu beginnen. L

  8. Gisela 28. September 2017 um 19:16 Uhr - Antworten

    Danke für die Inspiration – ich lasse Dinge, die mich klein machen – ich lebe meine schöpferische Kraft und lasse andere so sein, wie sie sind.

  9. Renate Sanyang 28. September 2017 um 18:32 Uhr - Antworten

    Lieber Martin,

    Deine Überlegungen teile ich vollinhaltlich.

    Mir hat in den vergangenen Jahren sehr geholfen, dass ich Gleichgesinnte im Feld der nun endlich als Verein gegründeten “Gemeinwohlökonomie Tirol” gefunden habe. Vorher fand ich Gleichgesinnte in “Vernetzt Wohnen”, ein Verein für generations- und kulurverbindende Wohnformen, den ich vor 7 Jahren mitinitiiert und in Folge mitgegründet habe. Aber auch der “Innsbrucker Kreis” oder die “Innsbrucker Salongespräche” sind starke Felder, in denen ich fündig wurde, auf der Suche nach Austausch mit innovativen Menschen.
    Für Innenschau finde ich Wald-Spaziergänge im Morgengrauen unschlagbar. Beginnend noch in der Dunkelheit, den Weg erahnend, dann langsam “sehend werden”. Zum Glück fängt der Wald ein paar Minuten hinter unterm Haus gleich an. Ein unbezahlbarer Luxus 🙂
    Eine Gewohnheit, die ich beschlossen habe, zu lassen: Die Väter meiner Kinder davon überzeugen zu wollen, dass es durchaus Sinn macht, unsere Kinder Alternativschulen besuchen zu lassen und zu hoffen, das sie das Schulgeld übernehmen. Ich lasse das, sofort. Besser gesagt seit Anfang September bereits. Gehen halt die Alimente für´s Schulgeld drauf, es ist, wie´s ist – es ist es WERT. Ich bin davon überzeugt, das reicht mir seit JETZT. Ganz bewusst.

    Danke für Deine zahlreichen Anregungen und liebe Grüße aus Innsbruck,
    Renate

  10. Paul 27. September 2017 um 18:28 Uhr - Antworten

    Lieber Martin,

    toll 🙂 Danke für den Denkanstoß…
    Be the change, you want to see: ich bin auf der Suche nach einem Platz für alte Menschen mit psychiatrischen Problemen – wie meine Mutter- wo diese gut leben können. Da gibt es zu wenig Plätze. Aber ich sehe mich nicht in Rolle, diese Aufgabe zu übernehmen. Mal sehen. Jetzt nimm ich mir meinen Raum und gehe in den Wald spazieren und lausche nach innen.
    🙂

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