Wir leben in einer Zeit, in der vieles im Umbruch ist. Alte Sicherheiten tragen nicht mehr, neue Strukturen sind noch nicht sichtbar. Inmitten dieser Ungewissheit zeigt sich eine entscheidende Frage: Welche Art von Führung brauchen wir heute – und in Zukunft?
Oft haben wir beim Wort „Leadership“ das Bild einer starken Einzelperson vor Augen: jemand, der weiß, wo es langgeht, der Entscheidungen trifft, Ansagen macht und andere mitzieht. Dieses Modell war lange prägend. Es hat in bestimmten Kontexten funktioniert – doch in der heutigen Welt stößt es an Grenzen. Denn Komplexität lässt sich nicht durch Kontrolle bändigen. Und Ungewissheit lässt sich nicht durch immer schnellere Antworten überwinden.
Was wir brauchen, ist eine Führung der Verbundenheit. Eine Form der Führung, die nicht allein auf autoritäre Prinzipien und hierarchische Strukturen basiert, sondern die Fähigkeit einschließt, Räume zu schaffen, in denen Menschen Verantwortung übernehmen, einander zuhören und Neues entstehen lassen.
Führen heißt, bei mir selbst zu beginnen
Leadership – in unserem Verständnis – setzt im Innen an. Denn wenn ich mich selbst nicht führen kann, wie sollte ich dann andere führen?
Es beginnt mit Fragen wie:
- Wofür stehe ich wirklich?
- Welche Werte sind mir wichtig?
- Wo verspüre ich Angst, das Altbewährte hinter mir zu lassen und dem Kitzeln des Neuen zu folgen?
- Und wo zögere ich, gefährliche Vorschläge zu machen, um neue Wege auszuprobieren?
Wer sich ernsthaft und in der Tiefe diesen Fragen stellt, bricht auf zu einer mutigen Entdeckungsreise. Dabei werden nicht nur alte Muster und verborgene Schatten sichtbar, sondern sicherlich auch die innere Gewissheit, ein innerer Kompass, der Orientierung bietet, auch wenn im Außen Ungewissheit herrscht.
Dieser innere Kompass kann dein „Gamechanger“ sein. Denn wer sich selbst kennt, kann im Außen wirkungsvoll mit Präsenz und Klarheit auftreten.
Führung entsteht im Miteinander
Führung zeigt sich im Raum zwischen Menschen – in der Art, wie wir Beziehungen gestalten, wie wir mit Konflikten umgehen, wie wir gemeinsam Entscheidungen treffen.
Wenn Menschen in Kontakt miteinander sind, wenn sie Unterschiedlichkeit nicht als Gefahr, sondern als Ressource sehen, entsteht etwas, das größer ist als die Summe der Teile. Dann wird Zusammenarbeit lebendig. Vertrauen wächst. Und es wird möglich, Dinge zu bewegen, die allein niemand schaffen könnte.
Wir nennen das Ko-Kreation: nicht einfach Konsens oder Harmonie, sondern die unmittelbare Praxis, Unterschiedliches zu integrieren, Verantwortung zu teilen und gemeinsam Neues hervorzubringen.
Führung beginnt dort, wo Spannungen sichtbar werden
Beim spannungsbasierten Arbeiten werden Spannungen als wertvolle Signale verstanden. Dazu gehört beispielsweise die Fähigkeit, Unsicherheiten oder unausgesprochene Themen offen anzusprechen – sei es durch ein ehrliches Spiegeln in die Gruppe oder durch ein Ermutigen, Dinge authentisch auszusprechen, z.B. Irritationen.
Auch wenn das zunächst der Harmonie widerspricht, kann genau das ein Wendepunkt sein. Ein einfacher Satz wie: „Ich nehme gerade [xxx] im Raum wahr, das finde ich herausfordernd und ich wünsche mir [xxx]“ kann bereits genügen, um einen festgefahrenen Gruppenprozess wieder in Fluss zu bringen – besonders dann, wenn verdeckte, unausgesprochene Spannungen zuvor lähmend gewirkt haben.
Führen erfordert Mut, Unbekanntes zu wagen
Leadership bedeutet auch, den Mut zu haben, ins Unbekannte zu gehen. Ganz nach dem Motto: „An der Grenze des Bekannten beginnt das Neue.“
Vieles lässt sich im Detail planen, und doch müssen oft richtungsweisende Entscheidungen fallen. Dafür braucht es die Haltung, Dinge auszuprobieren, sich etwas zuzutrauen und unterwegs dazuzulernen.
Dazu gehört, in die eigene Quellenkraft zu gehen und sich sichtbar zu machen mit dem, was einem wirklich wichtig ist – und dabei auch verletzlich zu sein. Denn darin liegt die Kraft: nicht in Perfektion, sondern im echten Vorangehen.
Beispiele aus dem Jahrestraining LEAD THE CHANGE
Barbara hat den Schritt gewagt, aus ihrem „braven Job“ auszubrechen – heute fesselt sie als Geschichtenerzählerin Räume mit über 150 Menschen.
Josef hat sich, trotz seines jungen Alters, mutig dem Schatten seiner Vergangenheit gestellt. Heute gestaltet er als Trainer lebendige, handyfreie Räume – und hat zudem eine Bachelorarbeit über Digital Detox und die psychische Gesundheit junger Erwachsener geschrieben.
Martina hat den Zugang zu ihrer brodelnden Kraft gefunden – gemeinsam mit anderen bietet sie jetzt Wut-Workshops für Frauen an.
Richard und Matthias bringen in großen Konzernen neue Kulturtechniken des Miteinanders ein – und schaffen Räume, in denen sich Menschen wieder zumuten dürfen.
Mehr als Methoden
Viele Leadership-Programme setzen auf Tools und Modelle. Das ist wertvoll – doch oft bleibt es theoretisch und damit wenig wirksam.
Transformatives Leadership ist kein Methodenkoffer. Es ist eine Erfahrung. Es geht darum, zu spüren, was es heißt, präsent zu sein. Verantwortung zu übernehmen. Risiko zu wagen, zu experimentieren, mit der eigenen Lustangst zu tanzen. Und es bedeutet in einem Kreis zu sitzen, in dem alle Stimmen, auch die leisen, gehört werden. Es bedeutet, die eigene innere Kraftquelle zu entdecken und aus tieferer Verbundenheit zu schöpfen.
Fazit
Die Zukunft braucht Menschen, die lebensbejahende Führungsqualitäten verkörpern. Menschen, die sich selbst führen, in ihrer Quellenkraft stehen, die Ko-Kreation leben und die bereit sind, mutig ins Unbekannte zu gehen.
Es geht darum, aufzubrechen – und jene Veränderung zu sein, die wir uns für die Welt wünschen.
Alles Liebe
Sylvia Brenzel (Leitung Lead the Change)
PS: Wenn dich dieser Weg anspricht, laden wir dich ein, LEAD THE CHANGE kennenzulernen – unser transformatives Jahrestraining seit 2010. Es ist ein Erfahrungs– und Experimentierraum, in dem du die Grundlagen einer Führung der Verbundenheit kennenlernst.
Was bedeutet für DICH Leadership?
Welche Art von Führung braucht es aus deiner Sicht? Wie lebst du deine eigenen Leadership-Qualitäten? Teile deine Erfahrungen und Gedanken gern in den Kommentaren.
QUELLE SEIN ALS FÜHRUNGSPRINZIP
Von der Idee zur Realisierung
In dieser Online-Werkstatt am 24. Februar 2026 mit Slyvia Brenzel & Alfred Strigl klärst du deine Rolle als Quelle und lernst, wie Ideen ko-kreativ umgesetzt werden können.
AUFZEICHNUNG INFOABEND
Wir beantworten deine Fragen zu unserem Jahrestraining Lead the Change
Bei diesem Online-Abend stellen wir dir das Training in seinen Grundzügen vor, geben dir einen Einblick in die Inhalte, Methoden und den Ablauf – und du lernst das Trainingsteam persönlich kennen.
1 Gedanke zu „Leadership der Verbundenheit“
Herzlichen Dank euch Mutmachern, für eure ehrliche, authentische Herangehensweise an die großen Herausforderungen denen jeder von uns wohl täglich begegnet.
Habe gerade den Begriff der Konvivialität gegoogelt. Dieses Wort ist wohl der Überbegriff einer geeigneten Herangehensweise an Spannungen und Konflikte. In einer Zeit in der immer mehr Menschen resignieren oder eine sehr “kurze Zündschnur” entwickeln, fällt auch der Begriff Langmut auf fruchtbaren Boden bei mir.
Es ist schön mitzuerleben wie eure Idee wächst und ermutigt!
aus ganzem Herzen – DANKE!