Was wäre, wenn die Welt den Atem anhält – und auf dich wartet, dass du den Platz einnimmst, den nur du ausfüllen kannst?
David Whyte
Letzte Woche habe ich für unseren kommenden Online-Summit die palästinensische Friedensaktivistin A’ida Al-Shibli interviewt. Und ehrlich gesagt: Ich war sehr unsicher, ob ich das wirklich machen soll.
Bin ich überhaupt ein angemessener Gesprächspartner für sie? Was habe ich schon getan im Angesicht des unfassbaren Leids in Palästina? Weiß ich genug? Mache ich genug?
Dann saß ich ihr gegenüber – und merkte: Meine Unsicherheit löste sich auf. A’ida war so liebevoll. Und zugleich von einer enormen Entschlossenheit und unerschütterlichen Klarheit.
Und dann sagte sie etwas zu meinem Zweifel: „What is mine to do? What is mine to say? It is not yours to do everything. It is not yours to say everything. That’s why we are many.”
Also nicht: Was müsste ich alles tun? Sondern: Was ist wirklich meins? Und dass niemand alles alleine tragen muss. Wir sind viele.
Das klingt so einfach. So entlastend.
Und doch merke ich: Wie oft ich mich überfordert fühle – zum Beispiel von den Nachrichten aus Palästina, der Ukraine, aus dem Iran. Wie schnell ich dann abschalte. Oder wie ich mich frage: Reicht das, was ich tue? Müsste ich nicht viel konsequenter sein?
A’ida erinnerte mich: Überforderung ist oft ein Zeichen dafür, dass ich den Kontakt zu mir selbst verloren habe. Dass ich nicht mehr spüre, was wirklich meins ist.
Was braucht es also, um mich wieder zu spüren – und in Frieden mit mir selbst das Richtige zu tun? Innere Anbindung. Ein innerer Kompass, der mir zeigt, was meins ist. Und was nicht.
Dazu passt der berührende Blogbeitrag von Lead the Change Teilnehmer Moritz: Sein Engagement bei der „Letzten Generation” hat ihn oft mehr erschöpft als angetrieben. Erst als er Zugang zu seinem inneren Kompass fand, konnte er klar und ruhig für seine Haltung einstehen. 👉 Innerer Kompass statt Talk Show im Kopf
Die entscheidende Frage ist also nicht „Tue ich genug?” – sondern: Tue ich das, was mich wirklich ruft? Auch wenn es Mut und Konsequenz braucht?
Dann können wir beitragen – verwurzelt in uns selbst, ohne auszubrennen, ohne abzuschalten. Verbunden mit dem, was durch uns in die Welt will. Und verbunden mit denen, die unsere Solidarität brauchen.
Von Herzen, Martin – für das Team von Pioneers of Change
PS: Das Interview mit A’ida war sehr bewegend – im März ist es Teil unseres 10. Online Summit – hier gibts aber schon einen Einblick (auf Englisch, beim Summit gibt’s dann Übersetzung).
Zum Abspielen wird eine Verbindung zu Youtube hergestellt.
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Blog: Wie ich lernte meinen inneren Kompass zu spüren und bessere Entscheidungen zu treffen
Moritz erzählt, wie sein Engagement in Klimaschutz-Protesten ihm permanente Erschöpfung bereitete – weil Überzeugung und Zweifel ständig in ihm rangen. Erst in der Einbeziehung aller Gefühlsanteile zeigte sich die innere Klarheit, aus der sich Entscheidungen leicht anfühlten.
Wandel braucht innere Führung
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„Re-Indigenizing" mit Friedensaktivistin A'ida Al-Shibli
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» Sommer.Campus (11.-16. August)
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Wenn du dich überfordert fühlst, kann dein Geist nicht mit dir kommunizieren. Nimm dir Zeit in der Natur, beruhige dich und frage dann: Was ist meins?
A'ida Al-Shibli
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1 Gedanke zu „Niemand muss alles alleine tragen – wir sind viele“
Eine wirklich umfassende Friedensstrategie hat der Wiener Friedensforscher mit seinem “Peace Mainstreaming” Konzept entwickelt. Vielleicht könnte ihn die Pioneers einmal einladen. LG Johanna