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Otto Scharmer

Neue Räume für die Zukunft

Otto Scharmers Optimismus trotz Polykrise

Was sind wesentliche Baustellen und Problemfelder unserer Zeit? Wie können wir das Neue an den Rändern des Systems in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit bringen? Was braucht es dazu, dass die vielen Initiativen für einen Wandel zusammenarbeiten, um ihre Kräfte zu bündeln?

Ein freudiges Wiedersehen

Es ist ein zutiefst berührender und herzerwärmender Moment. Wir sitzen noch spät abends im Bildungshaus St. Arbogast (Vorarlberg): die soziale Neurowissen­schaft­lerin Tania Singer mit ihrem Team, Verena Ringler und ich, als plötzlich Otto Scharmer hereinkommt, etwas müde von der langen Reise. Die Wieder­sehens­freude ist groß… Sechs Jahre haben sich Tania und Otto nicht gesehen – aber jetzt bei den »Tagen der Utopie« klappt‘s. Die beiden verbindet eine langjährige Freund­schaft.

Sie – die soziale Neurowissenschaftlerin, die sich mit innerem Bewusst­seins­wandel beschäftigt. Er – der Systemwandelforscher, der die Transformation großer Systeme erforscht. Die beiden verkörpern mit ihrer Arbeit, dass wir beides dringend brauchen: inneren und äußeren (System-)Wandel.

Am nächsten Morgen skizziert Otto im Dialogkreis – unvorbereitet, wie er meint – die großen »Baustellen«, die er derzeit im Moment in der Welt sieht und was es jetzt aus seiner Sicht braucht.

Die großen Baustellen unserer Zeit

Von Denialism zu Doomism – vom Verleugnen in die Untergangsstimmung

Wir erleben gerade einen beunruhigenden Übergang: von der Verleugnung (Denialism) zur Untergangsstimmung (Doomism), vom »Es ist alles nicht so schlimm« (Klimakrise, soziale Krisen) zu einer Haltung des »Es ist sowieso schon alles zu spät«.

Die Untergangsstimmung erlebt Otto vor allem bei jungen Menschen – und sie macht ihm besondere Sorgen, denn: Wenn wir keinen Zugang dazu finden, dass wir etwas in der Welt gestalten und etwas zum Wandel beitragen können, dann geht alles andere auch nicht mehr.

Warum individuelle Verhaltensänderung nicht genug ist

Wir wissen »alles« über die Ursachen der Krisen und wir wüssten auch, was zu tun ist, aber: »die kollektiven Entscheidungsmuster verändern sich nicht«.

Beispiel Konsum: Das eigentliche Problem ist nicht das individuelle Verhalten, sondern die kollektiven Entscheidungsmuster. Denn wir investieren immer noch in die falschen Konzepte, wie z. B. Förderung fossiler Energie. Die Individualisierung der Entscheidungsverantwortung ist daher hochproblematisch.

Warum kollektives Bewusstsein derzeit von Zerstörung geprägt ist

Unsere Welt erlebt derzeit sowohl Prozesse der Zerstörung (Absencing) in der Umwelt / Mitwelt als auch in unserem Innenverhältnis. Dabei wird Vertrauen beschädigt, wie beispielsweise in die Funktionsweise unserer Gesellschaften. Obwohl wir alle diese Wirklichkeit der Zerstörung erleben, gibt es auch Momente des »Presencing«, in denen sich neue Initiativen und Projekte zeigen, die das System auf transformative Weise verändern. Wir leben also in beiden Welten von Absencing und Presencing.

Das öffentliche und kollektive Bewusstsein ist jedoch stark geprägt von den Zerstörungsmechanismen, die von sozialen Medien durch eingebaute Verstärkermechanismen gefördert werden.

Diese Mechanismen haben das Ziel, das User-Engagement zu optimieren, indem sie auf Wut, Hass und Angst – den zentralen Emotionen des Absencing (Zerstörungsmodus) – abzielen, die durch Filterblasen verstärkt werden. Das verstärkt die Trennung innerhalb der Gesellschaften.

Wir brauchen also dringend eine Stärkung des gegenseitigen Vertrauens, des Dialogs und der Verständigung über die verschiedenen »Blasen« hinweg.

Die Macht von Sonderinteressen und »dark money«

Dazu kommt, dass kleine einflussreiche Gruppen mit der Zerstörung des Planeten viel Geld verdienen – und dass diese besonders effektiv sind, mit ihrem Finanzkapital (und auch Schwarzgeld) ihre Sonderinteressen durchzusetzen.

Dagegen ist die Szene der vielen neuen Initiativen unglaublich fragmentiert, hat wenig Geld und ist nicht gemeinsam organisiert. Hier liegt also noch viel Potenzial in der stärkeren Zusammenarbeit der Wandel-Akteur:innen, damit das Neue sicht- und spürbar wird.

»Dort wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.«


Friedrich Hölderlin

Auf der anderen Seite gibt es ein neues Bewusstsein (»Eco System Awareness«, Bewusstsein der Verbundenheit), das überall auf der Erde erwacht. Und es ist unglaublich groß. Aber es wird kaum als solches wahrgenommen.

Deshalb brauchen wir Räume, in denen wir dieses neue Bewusstsein in eine gemeinsame Wahrnehmung bringen. Mit Hilfe von »Presencing« können wir zu den Quellen des Neuen gelangen (dem Kern der Theorie U, die aus Ottos Arbeit entstanden ist).

Die Zukunft ist schon überall da!

Denn: die Zukunft ist schon überall da! Das Neue finden wir oft an den Rändern des Systems – und oft nur »keimhaft«. Wie können wir das, was an den Rändern des Systems passiert in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit bringen?

Dazu braucht es neue Räume, um das Vorhandene sichtbarer zu machen und miteinander zu verbinden – Räume, in denen sich Systeme selbst sehen, spüren und schließlich »umstülpen« können (see, sense, invert itself).

 

Das System spüren und in sich aufnehmen

Wenn wir Systeme wirklich verändern wollen, müssen wir nicht nur das Problem sehen, sondern auch spüren, was an den Rändern des Systems wirklich passiert. Der beste Weg, dies zu tun, ist, wirklich an den Rand zu gehen und von dort aus wahrzunehmen.

Wenn wir wirklich spüren, was an den Rändern des Systems passiert, müssen wir zulassen, dass sich etwas »umstülpt«: dass wir das, was draußen ist, in uns »hineinnehmen». Und uns bewusstwerden, dass das, was an der Peripherie ist, ein Teil von uns selbst ist.

Die zentrale Frage

Um Veränderungen im Außen zu bewirken, müssen wir unseren inneren Ort verändern – wir brauchen einen offenen Geist, ein offenes Herz und ein offenes Wollen.

Die zentrale Frage lautet daher: Wie kann ich meine Beziehung zu mir selbst und zu den Akteur:innen im System verbessern?

Der Schlüssel dazu ist, die Qualität des Zuhörens zu verbessern (siehe auch Blog-Beitrag zum Brücken Bauen zu Andersdenkenden). Bevor wir andere verändern wollen, müssen wir bereit sein, uns selbst zu verändern und offen sein für eine neue Qualität von Beziehungen.

»Wir können ein System nicht verändern, ohne das Bewusstsein zu transformieren.«


Otto Scharmer

Was es jetzt brauche, sei »Gefäßbildung« (containment). Das ist für Scharmer die ganz neue Aufgabe von Leadership. Wir brauchen neue, niederschwellige Begegnungsformate, wo wir aus unseren Blasen herauskommen und das Ganze sehen und spüren können, in denen wir gemeinsam das zukünftige Potenzial erforschen und aus dem Spüren heraus in Worte fassen können. Das gelingt am besten, wenn sich Menschen rund um ein Thema oder eine Herausforderung zusammentun und organisieren (so wie wir es z. B. bei den Mitmach-Regionen bereits praktizieren).

Und dann ist es die große Kunst, einen vertrauensvollen Raum so zu gestalten, dass wir einander in der Tiefe hören und verstehen können, damit sich das keimhaft Neue in Momenten der Stille zeigen kann.

Denn die gute Nachricht ist: 74% der Menschen in den G20-Staaten (das sind 60% der Weltbevölkerung!) wollen eine tiefgreifende Transformation unseres ökonomischen Systems, damit wir die großen globalen sozialen und ökologischen Herausforderungen meistern können! (zur G20 Studie)

Passiert diese Transformation schon im Großen? Nein. Aber im globalen Bewusstsein scheint gerade etwas zu kippen. Und das hat großes Potenzial. Denn ein kollektiver Aufwachprozess ist möglich, wenn wir genau diese neuen vertrauensvollen Räume schaffen, wo wir mit allen Unterschieden gemeinsam das System wahrnehmen, spüren und erlauben, uns davon in der Tiefe berühren zu lassen.

Ein klarer Blick auf die großen Zusammenhänge und ein visionärer Blick auf das, was uns gemeinsam möglich ist – das ist es, was ich an Otto so schätze …

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