Fruchtbarer
Weltschmerz

Fruchtbar werden
statt im Fruchtbaren hängen bleiben

Vorige Woche bekam ich dieses Email:

“Ich habe Angst und verzweifle, lasst mich doch. Ich will diese positiv ermunternde Stimme nicht mehr hören. Das macht mich wahnsinnig. Ich will unglücklich sein, weil alles andere ist Heuchelei!”

Kennst du „Weltschmerz“?

Im Alltag filtern wir die entfernten Bedrohungen in unserer Welt weg. Sind so gewöhnt, von Klimawandel, Selbstmordanschlägen, Zerstörung von Lebensgrundlagen zu hören, dass wir auf „Durchzug“ stellen.

Manchmal dringt aber doch etwas durch in unser Herz. Wie zum Beispiel der Film „Human“, den ich gestern gesehen habe und der mich tief berührt hat.

Oder wie Fakten aus dem Living Planet Report vom WWF. Zum Beispiel: Seit 1970 sind die wildlebenden Wirbeltier-Populationen um rund 2/3 geschrumpft.

Eben noch 100 Elefanten, Antilopen, Wale, Adler…

JETZT: nur etwa ein Drittel übrig. Zwei Drittel tot.

Okay, du liest das jetzt… aber kannst du auch SPÜREN, was das bedeutet?

Vielleicht halte eine Minute inne. Atmen. Zulassen.

Sind wir naiv?

In welcher Zeit leben wir da eigentlich?

Wie können wir angesichts der krassen Entwicklungen in unserer Welt positiv gestimmt sein und „wandel-mutig“?

Wenn wir auf wissenschaftliche Fakten schauen, wie sich die Systeme unserer Welt entwickeln, dann strebt unsere „Megamaschine“ zweifellos auf einen Kollaps zu.

Ist es nicht furchtbar naiv, unsere kleinen Initiativen als Vorboten eines „Großen Wandels“ zu sehen?

Was heißt hier „Wandel“?

2005 hab’ ich mir in den Kopf gesetzt, einen Vortrag zu machen: „Be the Change – die Krise als Chance“.

Ich habe zwei Monate lang UNO-Berichte gelesen und im Internet recherchiert. Und war dann wie erdrückt und gelähmt vom Gewicht der fatalen Fakten und Statistiken.

Ich wollte es absagen.

Und doch hab’ ich es dann gemacht. Freunde waren da. Meine Eltern waren da.

Ich hab’ erzählt, wie schockiert ich in Brasilien war, das kaputte Land mit ein paar Rindern drauf zu sehen, wo vorher Urwald war. Und wie das mit uns zusammenhängt… mit der Tante meiner Frau, die Dorfwirtshäuser mit importiertem Rindfleisch beliefert. Wie die riesigen Mastbetriebe in unseren Dörfern das brasilianische Soja an die Schweine verfüttern – und die Leute beim Heurigen sich freuen über die Berge von billigem Fleisch.

Soja… Baumwolle… Elektroschrott… Peak Oil… Peak Everything… AAAH!

Wohin schauen wir?

Ich hab’ beschlossen, dass es für mich keinen Sinn hat, mich fertig zu machen.

Sondern: Ich richte meine Aufmerksamkeit auf Menschen und Initiativen aus, die Neues in die Welt bringen. Auch in meinem Vortrag war das ein Wendepunkt: es passiert „unterhalb des Radars“ so viel Großartiges, von dem kaum jemand weiß.
Und das stärkt und macht Mut, wenn wir diese „Wandel-Bewegung“ bewusst wahrnehmen.

Ich sage nicht, dass wir uns abwenden sollen von den schwierigen Dingen der Welt und uns ein-igeln in unserer bequemen Blase. Nein, ich meine Hinschauen. Aber nicht hängen bleiben im inneren Drama, sondern….

TUN als Therapie für Weltschmerz

Ich hab’ gemerkt, dass ich selbst aktiv werden muss, damit es mir gut geht.

Wenn ich mein Sinn-Bedürfnis nicht ins Handeln kanalisieren konnte, war es wie wenn sich meine Energie dann gegen mich drehte. Und sich Selbstzweifel und Weltschmerz wieder in mir breit machten.

Aber jeden Tag, wo ich mich hinaus aus meiner Komfortzone in Richtung meiner Träume bewegt habe, hab’ ich mich besser gefühlt!

Selbst kleine Dinge tun war gut. Sich nicht nur um mich zu kreisen, sondern mich in den Dienst stellen, mich in Situationen begeben, die mich forderten.

Aber: können wir wirklich etwas verändern? Ist es nicht trotzdem naiv, sich einer „bottom-up“ Wandelbewegung zu verschreiben, wo „viele kleine Menschen kleine Dinge tun“?

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I promise
if you keep
searching
for everything
beautiful
in this world

you will
eventually
become it.

taylor kent white
 

Wir sind naiv, und es ist gut so!

Heini Staudinger (Chef von GEA und Waldviertler) hat mir mal gesagt, dass die griechischen Götter die Naiven besonders geliebt haben.

Warum? „Weil von ihnen haben sie die geilsten Abenteuer bekommen“, sagt Heini.

Ich nehme die wissenschaftlichen Fakten ernst. Und gleichzeitig: SCHEISS DRAUF!

Denn…

Wir leben in einer nichtlinearen Welt!

Was weiß ich, welche Folgewirkungen eine kleine hingebungsvolle Tat in unserem komplexen System nach sich ziehen kann? Welchen Orkan ein Schmetterlingsflügelschlag auslösen kann?

Wir sind Staubkörner im Universum. Und doch ist jede Handlung und Nicht-Handlung von uns von Bedeutung.

Also: jede und jeder von uns verändert die Welt. Und gemeinsam können wir Dinge erreichen, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können. Was weiß ich, was wir noch schaffen, lassen, erfinden werden?

Das ist für manche vielleicht naiv, aber das ist mir wurscht.

Aber es ist nicht wurscht…

Es ist nicht wurscht, ob wir uns mit einem grauen Leben im Korsett der Konventionen abfinden – oder ob wir unser Potenzial befreien.

Es ist nicht wurscht, ob wir unser Leben dahinleben im Sicherheitsnetz der Normalität, oder mutig unseren Träumen entgegen gehen.

Es ist nicht wurscht, ob wir den zynischen Stimmen und dem Drama in uns Raum geben – oder ob wir unsere Aufmerksamkeit auf „das Gute, Wahre und Schöne“ richten.

Ist es nicht so, dass das wächst, wo du die Aufmerksamkeit hinlenkst?

Wie also kannst du deinen „Weltschmerz“ fruchtbar machen?

Was berührt dich, erschüttert dich in deinem Innersten? Oder: Was regt dich wirklich auf?

Wenn du dem nachgehst, womit du in Resonanz bist, dann wird Kraft frei. Was es ist, ist eben sehr individuell.

Zum Beispiel: Organisiere einen Kleider-Tauschmarkt, wenn dich die Modeindustrie ankotzt. Arbeite ehrenamtlich mit für die Gemeinwohl-Ökonomie, wenn du findest, es braucht ein anderes Wirtschaftssystem. Engagiere dich für Initiationsrituale für Jugendliche, wenn dich berührt, dass unsere Kultur für diese Lebensphase keinen Rahmen bietet. Lebe vegan und plastikfrei und schreibe ein Buch drüber, wenn unser Lebensstil dich aufregt. Fahre nach Lesbos und hilf den Gestrandeten, falls dich das zieht (und vor allem, wenn du findest, die geht es nicht gut).

Geh dorthin, wo deine Energie ist. Vielleicht auch deine LustAngst. Also:

Wo schaust DU hin? Was TUST DU?

Wir werden alle sterben. Früher oder später. Vielleicht wird sich die Menschheit auslöschen.

Aber hat das Relevanz für dein Handeln jetzt? Du hast vielleicht verstanden, dass die systemischen Entwicklungen in unserer Welt furchtbar sind. Jedoch: Willst du da hängen bleiben?

Oder willst du nicht lieber mit deiner Aufmerksamkeit auf jene Menschen und Initiativen schauen, die Veränderung, Bewusstseinswandel, das Gute Leben ins Leben bringen?

Und was tust du, was du wirklich sinnvoll findest? Wie „lebst du dein Leben voll“? Wie vermehrst du das Gute, Wahre und Schöne im Leben?

Eines muss man sagen: Diesen Weg ALLEINE zu gehen ist verdammt schwierig. Deshalb haben wir Pioneers of Change gegründet.

Wie geht’s dir mit Weltschmerz und wie machst du ihn fruchtbar?

Und was ist Dein nächster Schritt? Schreib mir bitte ein Kommentar (ich bin ja so neugierig!)

Martin Kirchner ist Mitgründer der Pioneers of Change in Österreich

2019-10-16T15:26:04+01:00

6 Kommentare

  1. Sonja 6. November 2017 um 23:06 Uhr - Antworten

    Lieber Martin,
    ich unterstreiche jedes deiner Worte – doch was ist, wenn zum Tun gerade die Kraft fehlt? wenn der alltägliche “Überlebenskampf” einer Alleinerziehenden die ganze Energie braucht, so dass – auch wenn die Zeit da wäre (was zu selten der FAll ist) – dann einfach nur große Leere + Müdigkeit da ist?
    – wenn die Welt im Kleinen so dicht+anstrengend ist, dass der Blick auf’s Große schwer möglich ist?
    – das ist kein Jammern, nur eine Darstellung, und ja – Zeiten und Umstände ändern sich, auch wenn das im Jetzt oft schwer vorstellbar ist…

  2. Renate Sanyang 6. November 2017 um 21:37 Uhr - Antworten

    Lieber Martin,

    Da ich – und selbstverständlich auch mein Mann – in Folge der erfolgreichen Legalisierung (nach hochgradig manipuliertem Asyl-Prozess und folgender, rechtswidriger Abschiebung) meines Ehemannes aktuell in einen Strafrechts-Prozess verwickelt bin, in dem mir unter Anderem „Komplizenschaft bei illegalem Aufenthalt“ und weitere Absurditäten vorgeworfen werden, ist mein eleganter nächster Schritt, mich mit freudigen Ereignissen und Menschen zu umgeben, bis unser Anwalt mit unserem allerletzten, erbetteltem Geld die nächste Beschwerde gegen die aktuelle “Straferkenntnis” eingereicht hat. Frist: Ende dieser Woche. Strategie der Behörden: angewandte Zermürbungstaktik. Heute habe ich von einem befreundetem Nachbarn zwei wunderbare, große, biologische Kürbisse geschenkt bekommen (um unsere Lebensmittel-Kosten zu senken, meinte er 🙂 Danke, Norbert! Die werden wir uns so richtig schmecken lassen – in Freiheit!

    “Mutig sein heißt nicht, dass es keine Angst gibt, sondern es trotzdem zu tun. Angst ist ein Begleiter auf dem Weg…” (mit Sicherheit ein alte Weisheit)

    Danke für Deinen vor Leidenschaft und persönlicher Erfahrung brennenden Artikel,
    Dein Feuer ist bis hierher spürbar,
    Renate

  3. Simone Melzer 6. November 2017 um 18:25 Uhr - Antworten

    Wenn ich nicht bereits einen Weg gefunden hätte, wohin ich meine immer größer werdende Energie umwandelnd hinleite, wäre ich bestimmt auch bei euch dabei!
    Wirklich eine super Sache!!!
    Allein oder einige wenige schaffen nicht ganz so viel oder rasch, wie mehr von uns, von uns beseelten Menschen…
    Gegen den Strom schwimmen ist sehr anstrengend – aber sehr wirksam – und man fühlt, dass man lebt, stimmt’s???
    Würden wir uns allesamt zusammenschließen, wir, die wir hier nicht mehr ‘mitspielen’ und dringend etwas ändern wollen – am besten alles (oder fast alles) 😉 …dann ginge alles viel schneller – jedes kleine Grüppchen wettert gegen das andere – dabei wollen wir doch das selbe!?!?
    Jetzt kommen 2 Links – und ich bitte dich, da wenigstens mal reinzuschauen bzw. zu hören – wage einen Blick hinein und höre nicht auf Menschen, die echt keine Ahnung haben – es lohnt sich – hoffentlich auf bald, gemeinsam sind wir stark!!!!!!!!!!
    https://www.ddbradio.org/
    https://www.verfassunggebende-versammlung.com/
    Sonnige Grüße von Simone

  4. Jürgen Döhrmann 6. November 2017 um 17:40 Uhr - Antworten

    Lieber Martin,
    es ist wirklich wesentlich, nicht die Augen zu verschließen vor dem, was Ist. Es ist genau so wichtig, sich davon nicht vereinnahmen zu lassen. Ich bestimme selbst meine Resonanzen, mit denen ich dieser Welt gegenüber treten möchte. Ich bestimme selbst, was ich in mir und für diese Welt verwirklichen möchte. Ein langer Weg von Selbsterkenntnis und innerer Wandlung ging dem voraus. Ich konnt mich lange nicht so verhalten, wie ich es oben beschreibe, jetzt kann ich es. Es ist wunderbar, mit einer Empfindung von Liebe durch den Tag zu gehen. Ich kann tun was ich will, aber ich muß nichts tun.
    Laß es Dir gut gehen, Gruß vom Jürgen

  5. Agnes Pfeffer 6. November 2017 um 15:44 Uhr - Antworten

    Lieber Martin & liebe alle, die das lesen.

    Als ich vor ein paar Jahren im Zuge von tiefenökologischen Begegnungen jemanden reden hörte, dass er sich – kurz gefasst – nicht vorstellen kann, dass das mit unserer Erde noch gut gehen kann, war ich grad so in meiner Mitte und Zuversicht, dass ich darauf nur sagen konnte:

    “Welchen Sinn hätte es, wenn ich am Wahnsinn auf dieser Welt verzweifle und die nächsten Jahre oder Jahrzehnte dahin vegetiere?
    WAS BRINGT ES mir und der Welt, wenn ich nur irgendetwas tue oder mich “verstecke” (was ja gar nicht geht), anstatt das zu leben, woran ich glaube?
    Selbst wenn die Menschheit untergeht, dann hab ich wenigstens bis dahin die Liebe und Zuversicht in die Welt gebracht, die ich habe und leben will.”

    Und das denke ich noch immer!
    Ich habe seitdem so viel Schönes erlebt, bekomme mit wie viel Gutes sich tut, wie viel Bestärkendes sich bewegt.
    Ich fühl mich so lebendig und erfüllt wie nie zuvor.
    Und es wird immer noch besser!

    Weil ich gelernt habe mich als Ganzes zu SPÜREN,
    mich auf ALLE meine Gefühle und Gedanken EINZULASSEN,
    MICH mit all dem ZU ZEIGEN und mich nicht mehr zu genieren…

    Weil ich – nach ca. 15 Jahren unproduktiven Weltschmerzes, wo ich weder das Gefühl hatte selber etwas zu schaffen, noch wirklich mit anderen das zu erleben, was ich mir wünschte –
    Gott sei DANK gelernt habe Verzweiflung, Unsicherheit oder Ohnmachtsgefühle zuzulassen,
    diese sich transformiert haben und mich produktiv und lebendig werden ließen.

    Weil ich, Schritt für Schritt – soweit ich gerade sehen kann – meinen Träumen und Impulsen folge, die im Jetzt jeweils da sind.

    In Liebe, Freude und Zuversicht wünsche ich allen, sich weiter vor-zu-TRAUEN mit dem, was ihr seid, fühlt und euch erfüllt!

    Agnes Pfeffer

  6. susanne loibl 6. November 2017 um 15:38 Uhr - Antworten

    Lieber Martin, ja wir kenne das auch alles so zur Genüge. Was haben wir mit unserem Weltschmerzgemacht?
    Mein Freund und ich haben einen Verein gegründet, um Unseres tun zu können ohne gestraft zu werden.
    Denn in unseren Gesundheitspraxen sind wir durch die Gewerbordnung ziemlich eingeschränkt in unserem Tun.
    Im Verein TerraFelix www-terrafelix.at haben wir etwas mehr an Handlungsspielraum. Auch wir wollen mit unseren Mikrobeiträgen zur Weltrettung beitragen.
    Wir helfen den Landwirten ihre Bodenflächen wieder bioenergtisch in Schwung zu bringen und du wirst es nicht glauben es wirkt messbar und sichtbar. Wir haben es am Anfang auch nicht gleich geglaubt. Wir bauen sozusagen bioenergetische Kuppeln mit verschieden Gesteinsmehlen zum Schutz von allem was lebt, in die Landschaft, über Häuser und Wohnungen, damit der energetische Wahnsinn, der um uns herrscht etwas abgeschwächt wird.

    Am 17. November gibt es dazu bei uns in Gmunden einen Agrarforschungsstammtisch mit vielen interessanten Leuten von Nah und Fern.
    falls wer von euch kommen möchte, ich schicke gerne noch Einladungen. Es ist kostenlos und wer möchte gegen freiwillige Spenden für den Verein.
    Vielleicht treffen sich unsere Anliegen und wir können uns in irgendeienr Form nutzbringend einbringen bei Pioneers of Change.An scheen Gruas on an Heini!
    Herzlichst Susanne vom Verein TerraFelix

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